Rekord-Rugbyspieler outet sich

In den harten Männersportarten auf den britischen Inseln bricht die Macho-Front: Nach dem irischen Hurling-Spieler Donal Og Cusack hat sich nun erstmals ein Rugby-Spieler zu seiner Homosexualität bekannt. Gareth Thomas, der erste walisische Spieler, der 100 Einsätze im Nationalteam erreichte und die British Lions als Kapitän aufs Feld geführt hat, hat sich am Samstag in einem Interview mit der britischen Boulevardzeitung „Daily Mail“ geoutet.

Der 1,92 Meter große und 103 Kilogramm schwer Spieler der Cardiff Blues redet offen über sein Coming Out: Nach einem Spiel im November 2006 brach er in der Umkleidekabine in Tränen aus, weil er nicht mehr mit einer Lüge leben wollte: „Es war wie eine Zeitbombe. Ich habe gedacht, ich kann es unterdrücken und in irgendeinem dunklen Winkel tief in mir wegsperren, aber das ging nicht“.

Zu diesem Zeitpunkt war er anscheinend glücklich verheiratet. Er outete sich vor seiner Frau Jemma, diese trennte sich daraufhin von ihm. Kurz darauf offenbarte er sich seinem Trainer Scott Johnson. „Nachdem ich dieses Geheimnis so lange in mir getragen habe, fiel mir ein Stein vom Herzen. Scott sagte: ‚Okay, ich muss mit drei oder vier Spielern aus dem walisischen Team reden, weil die die Burschen brauchst, damit sie dich unterstützen'“. Und das taten sie. Bei einem vom Trainer arrangierten Treffen sagten zwei Mitspieler: „Uns ist es egal, warum hast du es uns nicht früher erzählt?“ Genauso hatten auch andere Mitspieler kein Problem damit, dass der beste Rugbyspieler aus Wales schwul ist.

Jetzt geht Thomas, der 2005 von der BBC Wales zum Sportler des Jahres gewählt wurde, an die Öffentlichkeit. Er will jungen Menschen die Angst nehmen, sich zu outen: Denn die Zahl der Burschen, die „ChildLine“, eine britische Version von „Rat auf Draht“, wegen Problemen mit ihrer sexuellen Orientierung anrufen, ist auf 3.500 pro Jahr gestiegen. „Ich weiss nicht, ob mein Leben nach dem Outing einfacher wird, aber wenn es jemand anderem hilft, wenn ein junger Bursche die ChildLine anruft, war es das wert“, so Thomas. Und er ergänzt: „Ich habe auch all diese Gefühle mitgemacht – Tränen, Wut und absolute Verzweiflung“.

Er weiß aber auch: Hätte er sich vorher geoutet, wäre er im Rugby nicht so weit gekommen: „Es ist der härteste Männersport, und er hat sein Image. Er ist auf viele Arten barbarisch, und ich hätte mich nie outen können, ohne zuerst den Respekt als Spieler bekommen zu haben.“

Nach Thomas‘ Outing hoffen Schwulen-Organisationen in ganz Europa, dass sich andere Sportler an ihm ein Beispiel nehmen – auch im Fußball. Doch der englische PR-Berater Max Clifford behauptet, zwei schwulen Premier-League-Spielern vom Coming Out abgeraten zu haben. „Wenn sie das täten, wäre ihre Karriere vorbei.“

Doch das dachte man auch von einem Rugby-Spieler, der sich outet. Bis zum letzten Samstag.

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