Ab morgen können schwule und lesbische Paare in England und Wales heiraten

Ab morgen können alle schwulen und lesbischen Paare in Wales heiraten. Seit 13. März ist die Ehe bereits geöffnet, traditionell liegen zwischen dem Bestellen des Aufgebots und der Eheschließung aber 15 Tage.

Die ersten gleichgeschlechtlichen Ehen wurden in dieser Zeit aber schon geschlossen. Denn der Standesbeamte kann auf diese Wartezeit verzichten, „wenn ein Teil des Paares ein ernsthafte Erkrankung hat und eine Erholung nicht erwartet werden kann, und in anderen dringenden Fällen, zum Beispiel die Versetzung eines Armeeangehörigen nach Übersee“, wie es in der entsprechenden Verordnung heißt.

Konservativer Cameron setzt Ehe-Öffnung gegen eigene Partei durch

Die Öffnung der Ehe ist eine der wichtigsten gesellschaftspolitischen Leistungen des konservativen Premierminister David Cameron. Er erklärte, die Ehe-Öffnung sei „wichtig für unser Land und unsere Gesellschaft“.

Innerhalb der britischen Konservativen sorgte er damit für teils heftige Widersprüche. Trotzdem hat das Parlament im Februar 2013 seinen Gesetzesentwurf mit 400 zu 175 Stimmen gebilligt. Parteiintern war war es aber eine Niederlage für Cameron: Mehr als die Hälfte der eigenen Abgeordneten dürften gegen ihren Chef gestimmt haben. Die Mehrheit kam vor allem durch die mitregierenden Liberaldemokraten und die oppositionelle Labour Party zustande.

Im Dezember hat Frauen- und Gleichbehandlungsministerin Maria Miller den Termin für die Ehe-Öffnung bekannt gegeben.

Auch religiöse Eheschließungen sind möglich

Das Gesetz sieht vor, dass homosexuelle Paare sowohl zivil als auch religiös heiraten können. Allerdings können religiöse Gemeinschaften selbst bestimmen, ob sie gleichgeschlechtliche Paare trauen wollen. Auf jeden Fall verboten bleibt das für die Anglikanische Kirche, die größte Religionsgemeinschaft in England und Wales.

Gleichgeschlechtliche Ehen, die im Ausland geschlossen wurden, werden anerkannt. Transgender können ihre Ehe künftig bei einer Geschlechtsanpassung bestehen lassen. Homosexuelle Paare, die bereits in einer Eingetragenen Partnerschaft leben, können diese im Laufe des Jahres in eine Ehe umwandeln lassen. Die Zukunft der Eingetragenen Partnerschaft ist noch unsicher: Die Regierung möchte sie entweder für heterosexuelle Paare öffnen, abschaffen oder auslaufen lassen.

Keine Ehe-Öffnung in Nordirland, Schottland will nachziehen

Schottland will ebenfalls die Ehe für Schwule und Lesben öffnen. Bei einer ersten Abstimmung sprachen sich mehr als vier Fünftel der Abgeordneten für die Gleichstellung aus. Nur Nordirland hat sich gegen eine Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben ausgesprochen – mit ungewohnten Vorzeichen: Während die katholische Sinn Féin die Öffnung beantragt hatte, haben sie die königstreuen Protestanten abgelehnt.