WHO empfiehlt gesunden schwulen Männern HIV-Medikament zur Vorbeugung

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt unter anderem allen sexuell aktiven Schwulen, die HIV-negativ sind, zusätzlich zu Kondomen auch das Medikament Truvada einzunehmen. Truvada wird zur Behandlung von HIV-Positiven eingesetzt, kann aber bei HIV-Negativen auch eine Infektion mit dem Virus verhindern.

1.000.000 weniger Neuinfektionen?

Nach Meinung der WHO kann sich die Zahl der Neuinfektionen so um bis zu 25 Prozent verringern. Das wären innerhalb von zehn Jahren eine Million Menschen. Denn fast die Hälfte aller Neuinfektionen geschieht in Risikogruppen wie Männer, die Sex mit Männern haben, Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern, Gefängnisinsassen oder Drogensüchtigen. Diesen würde eine „Prä-Expositionsprophylaxe“ (PrEP), also das Einnehmen von Truvada zum Schutz vor HIV, helfen.

„Die HIV-Infektionsraten bei Männern, die Sex mit Männern haben, bleiben fast überall hoch und neue Präventions-Optionen werden dringend gebraucht“, so die WHO. So sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein schwuler Mann mit HIV infiziert wird, bis zu 19 Mal höher als bei Heterosexuellen.

Truvada: Schützt zu 99% – aber nur vor HIV

Unterstützt wird diese Empfehlung durch eine Studie des National Institute of Health: Demnach kann Truvada die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung um 99 Prozent senken. Die neuen Richtlinien sollen bei der 20. Internationalen Aids-Konferenz, die am Samstag in Melbourne beginnt, verabschiedet werden.

Unter Schwulenaktivisten ist diese Empfehlung umstritten: Denn diese PrEP könnte Schwule in falscher Sicherheit wiegen und sie dazu bringen, bei ihrem Sexualverhalten unvorsichtig zu werden – was letztendlich sogar zu mehr HIV-Infektionen führen könnte. Außerdem wirkt das Medikament nicht gegen andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Hepatitis C.

In Europa keine Zulassung zur HIV-Prophylaxe

Bei Truvada handelt es sich um ein hochwirksames anti-retrovirales Medikament mit den Wirkstoffen Tenofovir und Emtricitabin. Zu den Nebenwirkungen gehören unter anderem Kopfschmerzen und Magenprobleme. Bei der PrEP mutet man seinem Körper also auf Verdacht jede Menge Chemie zu.

In den USA ist Truvada bereits seit 2012 als „Pille davor“ zugelassen. In Europa gibt es eine solche Zulassung noch nicht. Stattdessen gibt es auch in Österreich die Möglichkeit der „Post-Expositionsprophylaxe“ (PEP). Bei dieser Behandlung, die idealerweise innerhalb von 24 Stunden nach dem Risikokontakt beginnt, werden ebenfalls einen Monat lang HIV-Medikamente verschrieben, um eine eventuelle Ansteckung zu verhindern.