Gudrun Hauer ist tot

Gudrun Hauer, eine von Österreichs bekanntesten LGBT-Aktivistinnen, ist tot. Die Politikwissenschafterin, Lesben- und Schwulenaktivistin sowie feministisch engagierte Journalistin starb nach kurzer Krankheit im Alter von 62 Jahren. Das teilte die HOSI Wien mit, in der sich Hauer engagierte.

„Mit Gudrun Hauer verliert der Verein eine seiner für die Vereinsgeschichte prägendsten Persönlichkeiten“, so Christian Högl, Obmann der HOSI Wien. „Wir werden Gudruns Verdienste um die HOSI Wien und die österreichische Lesben- und Schwulenbewegung stets in ehrender Erinnerung halten. Unsere Gedanken sind auch bei ihrer hinterbliebenen Partnerin Uli“, so Högl weiter.

Hauer engagierte sich seit den frühen 1980er-Jahren in der Lesben- und Schwulenbewegung, vor ihrem Umzug nach Wien in der HOSI Salzburg. Im Jahr 1985 war sie die erste Frau, die von der Generalversammlung in den Vorstand der HOSI Wien gewählt wurde. Seit 2005 war sie Chefredakteurin der von der HOSI Wien herausgegebenen „Lambda-Nachrichten“. Bereits zuvor schrieb sie unzählige Beiträge und 25 Jahre lang regelmäßig den Leitartikel der Zeitschrift.

Und sie war auch eine Frau der Tat: Als sie am 24. November 1988 auf dem Wiener Albertinaplatz anlässlich der Enthüllung von Hrdlickas Mahnmal gegen Krieg und Faschismus demonstrierte, wurde ihr und Alfred Guggenheim von mehreren Polizisten das Transparent „Tausende homosexuelle KZ-Opfer warten auf ihre Rehabilitierung“ gewaltsam entrissen. Hauer und Guggenheim reichten deshalb Beschwerde bei der Europäischen Kommission für Menschenrechte ein, die schließlich 1993 als zulässig anerkannt wurde.

„Als eines der ‚Urgesteine‘ der HOSI Wien verkörperte Gudrun wie kaum jemand anderer unverrückbare und unverhandelbare Grundpositionen und Grundwerte – wie die Unantastbarkeit der Menschenwürde und den Kampf gegen ökonomische und sonstige Ausbeutung von Menschen –, ohne sich dabei den wechselnden Moden und Konjunkturen des Zeitgeistes zu unterwerfen“, erinnert sich Kurt Krickler, Generalsekretär der HOSI Wien, an seine Mitstreiterin.

Gudrun Hauer wurde 1953 in Linz geboren und studierte in Salzburg Politikwissenschaft, Germanistik, Geschichte und Psychologie. Im Jahr 1987 schloss sie mit dem Doktorat ab. Von 1994 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2013 unterrichtete sie am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.

Weiters hatte sie Lehraufträge an den Universitäten Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt zu Lesben- und Schwulenforschung sowie feministischer Politikwissenschaft. Ihre Arbeitsschwerpunkte waren unter anderem die Frauenbewegung und der Nationalsozialismus.

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