Aus dem Herz und am Puls der Stadt: Brillen von ic! Berlin

Praktisch unzerstörbar und verdammt cool

Berlin, Prenzlauer Berg. Mit einem deutlich in die Jahre gegangenen Aufzug geht es in den obersten Stock einer ehemaligen Brotfabrik. Als sich die Tür öffnet, sieht es so aus, wie man sich ein Berliner Start-up vorstellt: Auf einer Wand des loftartigen Raumes hängen kreative Zeichnungen und Fotos, in der Küche arbeitet ein italienischer Koch gerade an der Mittags-Pasta für die Mannschaft. Und auch der legendäre Tischkicker darf nicht fehlen.

Jung, dynamisch, im Loft – und doch kein Start-up

Doch dieses Unternehmen ist über den Status des Start-up schon lange hinaus: „ic! Berlin“ wurde schon 1999 gegründet, vom Kreativkopf Ralph Anderl und einigen seiner Freunde. Deren Idee: Brillen designen, die cool aussehen – und nicht kaputtgehen. Denn hier hält keine Schraube Front und Bügel zusammen, sondern eine ausgeklügelte Steckkonstruktion. „Mit ein bisschen Übung können Sie das selbst in wenigen Augenblicken wieder zusammenbauen“, erklärt Andrea Römer, PR-Managerin der Firma, mit einem Lächeln. Video-Anleitungen dazu gibt es sogar auf der Homepage der Firma.

Hier, im über den Dächern der Stadt, schlägt das Herz von „ic! Berlin“. In der hauseigenen Design-Abteilung werden die Brillen entworfen, Kundenanfragen beantwortet oder gesungen. „Wir haben einen Firmenchor, der trifft sich einmal die Woche“, erklärt Römer. Damit soll der Zusammenhalt unter den Kollegen gefördert und das Arbeitsklima entspannt werden.

Und das funktioniert offenbar. Denn „ic! Berlin“ ist für seine sehr außergewöhnlichen Modelle bekannt: Dieses Jahr hat sich „ic! Berlin“ beispielsweise mit dem Berliner Luxus-Designer David Tomaszewski zusammengetan, der eine Kollektion an Damen-Sonnenbrillen entworfen hat. Bei den Namen der Modelle zollt der gebürtige Pole den Frauen seiner Heimat Tribut: Sie heißen „Lucja“, „Małgorzata“ und „Katarzyna“.

ic-Berlin: Brille "U4 Nollendorfplatz"
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Eine weitere Kollektion der letzten Jahre wurde nach Berliner U- und S-Bahn-Stationen benannt. Eines der Stücke heißt „U4 Nollendorfplatz“ – perfekt für alle, die den schwulen Kiez der Stadt auch täglich bei sich tragen wollen. Die Modelle der Reihe „Plotic“, eine Eigenentwicklung, bei der die schraubenlosen Brillen im 3D-Drucker produziert werden, tragen die Namen von Berliner Straßenbahn- und Buslinien.

ic! Berlin: Produktion der Brillen
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Wer glaubt, dass sich „ic! Berlin“ zwar mit ihrer Heimatstadt schmückt, aber billig im Ausland produzieren lässt, irrt sich: Denn produziert werden die Brillen einen Stock darunter. Hier werden die Bleche gestanzt, die Acetatblöcke gefräst, die Rohlinge in aufwändiger Handarbeit gebogen, geschliffen, veredelt, zusammengesetzt, poliert und versandfertig gemacht. Die Brillen tragen Berlin nicht nur in ihrem Namen, sie sind auch aus der Stadt an der Spree – vom ersten Entwurf bis zum fertigen Stück.

Eine Erfolgsgeschichte, die Mut macht

Der Weg zum Erfolg war lang: Weil sich Anderl und seine Freunde anfangs bei der wichtigsten Brillenmesse in Mailand keinen eigenen Stand leisten konnten, präparierten sie ihre Mäntel so, dass sie ihre Brillen dort präsentieren konnten. Was aussah, wie eine Mischung aus Straßenhändler und Exhibitionist, funktionierte: Heute sind „ic! Berlin“-Brillen bei einigen der hochwertigsten Optiker erhältlich.

ic! Berlin - Dachterrasse
ic! Berlin

Zum Schluss der Tour geht es nach oben. Auf halbem Weg steht ein schäbiges Sofa. „Kennen Sie Friedrich Lichtenstein? Den aus der EDEKA-Werbung? Das ist ein Freund von Ralph Anderl – und er hat hier 2013 eine Zeitlang gelebt“, erzählt Andrea Römer nicht ohne Stolz. Nach wenigen Schritten sind wie auf dem Dach der ehemaligen Brotfabrik. Hier hat sich „ic! Berlin“ eine Terrasse geschaffen, mit einem wunderbaren Rundblick über Berlin. Wie es sich wohl viele Start-ups vorstellen. So ganz scheint man das dieses Gen also doch nicht abgeschüttelt zu haben.