Kolumbien: Gericht öffnet Adoption für gleichgeschlechtliche Paare

Katholische Kirche tobt und fordert Volksentscheid

Regenbogenfamile
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Kolumbien öffnet das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare: In einem richtungsweisenden Urteil hat das Verfassungsgericht des südamerikanischen Landes schwulen und lesbischen Paaren das Recht auf Volladoption gewährt. Heftiger Protest gegen die Entscheidung kommt von der katholischen Kirche.

Die Entscheidung wurde mit sechs zu zwei Stimmen gefällt. Bis jetzt war für homosexuelle Paare in Kolumbien nur die Stiefkindadoption möglich, also die Adoption eines leiblichen Kindes des Partners.

Verbot der Adoption verstößt gegen Kinderrechte

In ihrer Entscheidung erklären die Höchstrichter, dass das Verbot der Volladoption gegen das Recht des Kindes auf eine Familie verstoße. In einer Pressekonferenz erklärte die Vorsitzende des kolumbianischen Richtersenates, María Victoria Calle, Studien würden beweisen, dass Schwule und Lesben genauso gute Eltern sein könnten. „Die sexuelle Orientierung oder das Geschlecht einer Person deuten nicht auf fehlende Moral hin oder ob sie körperlich oder gesitig geeignet sind, ein Kind zu adoptieren“, so die Richterin.

Es ist nicht das erste Mal, dass auch in Kolumbien die Rechte von Lesben und Schwulen durch Höchstgerichte erkämpft werden: So haben die Richter bereits in der Vergangenheit festgestellt, dass gleichgeschlechtliche Paare bei der Krankenversicherung oder dem Erbrecht nicht diskriminiert werden dürften. Auch schafften sie das generelle Blutspendeverbot für schwule Männer ab und erweiterten den Familienbegriff auf Regenbogenfamilien. Auch die bisher mögliche Stiefkindadoption wurde im Jahr 2014 durch das Höchstgericht ermöglicht.

Proteste der römisch-katholischen Kirche

Die römisch-katholische Kirche protestiert erwartungsgemäß gegen diese Entscheidung. Der Bischof von Fontibón, der Jesuit Juan Vicente Córdoba Villota, fordert, eine Volksabstimmung zur Adoptionsmöglichkeit für homosexuelle Paare durchzuführen. „Das Gericht sollte sich an Gesetze halten, nicht Gesetze ändern“, erklärte er. Der Bischof sieht Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen, in Gefahr: „“Die Rechte der Kinder werden den Rechten von Erwachsenen untergeordnet“, erklärt Córdoba.

In Kolumbien warten derzeit 10.000 Kinder in Heimen darauf, adoptiert zu werden.