Portugal: Adoption für Homo-Paare überspringt erste Hürde

Ob das Gesetz wirklich beschlossen wird, ist aufgrund der innenpolitischen Lage unklar

Flagge von Portugal
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Portugal könnte schon in Kürze das Adoptionsrecht für schwule und lesbische Paare öffnen. Ein entsprechendes Gesetz wurde am Freitag in erster Lesung vom Parlament in Lissabon angenommen.

Eingebracht hatten den Gesetzesentwurf die Sozialisten. Er sieht vor, dass schwule und lesbische Paare künftig unabhängig von ihrem Familienstand ein Kind gemeinsam adoptieren können. Derzeit können nur Einzelpersonen und heterosexuelle Paare in Portugal Kinder adoptieren.

Zwei Mütter oder Väter in der Geburtsurkunde

In der Geburtsurkunde würden zwei Mütter oder zwei Väter eingetragen werden. Rechtlich zwei Mütter hätten künftig dann auch Kinder von lesbischen Paaren, die sich im Ausland einer künstlicher Befruchtung unterzogen haben.

Mit dem Entwurf lösen die Sozialisten ein Versprechen ein, das sie im Wahlkampf abgegeben hatten. Neben ihnen stimmten auch Kommunisten, Grüne und der Linke Block geschlossen für die Vorlage. Auch 19 Abgeordnete der regierenden konservativen Sozialdemokraten befürworteten bei der Abstimmung den Gesetzesentwurf.

Portugal hatte 2010 die Ehe für Lesben und Schwule geöffnet, homosexuellen Paaren aber das Adoptionsrecht verwehrt. Aufgrund der derzeitigen innenpolitischen Lage ist es nicht sicher, dass der Entwurf – trotz des jetzigen Votums – auch endgültig beschlossen wird. In den letzten Jahren sind bereits vier ähnliche Versuche gescheitert. Im Sommer 2013 hatte das Parlament beispielsweise die Stiefkindadoption für gleichgeschlechtliche Paare in erster Lesung beschlossen, wenige Monate später aber mit knapper Mehrheit abgelehnt.