[Video] Golden Globes: Schlechte Scherze über Caitlyn Jenner und Preise für unsere Lieblinge

In Los Angeles wurden in der Nacht auf heute die 73. Golden Globes verliehen. Aus LGBT-Sicht war die Preisverleihung in vieler Hinsicht bemerkenswert: Auf der einen Seite aufgrund der Scherze, die Moderator Ricky Gervais gemacht hat, auf der anderen Seite aufgrund der Preise, die es für LGBT-Inhalte und von der Community geliebte Darsteller gab.

„Schlechtes Vorbild für Frauen am Steuer“

So manchem Aktivist verging die Lust auf die Veranstaltung wohl schon beim Eröffnungs-Standup des Moderators: Da machte Moderator Ricky Gervais seine Scherze diesmal auf die Kosten von Caitlyn Jenner. „Ich habe mich verändert. Nun, offensichtlich nicht so viel wie Bruce Jenner – jetzt natürlich Caitlyn Jenner“, so der Brite, der dafür bekannt ist, bei seinen Pointen niemanden zu schonen.

Bei seinem nächsten Scherz bezog er sich darauf, dass Jenner einen Verkehrsunfall verursacht hat, bei dem eine Frau getötet und sieben weitere Personen verletzt wurden. „Was für ein Jahr sie hatte. Sie wurde zum Vorbild für Transmenschen auf der ganzen Welt, und hat Mut bewiesen, wenn es darum geht Barrieren niederzureissen und Stereotype zu zerstören. Sie hat nicht viel für Frauen am Steuer gemacht, aber man kann nicht alles schaffen“, scherzte Ricky Gervais.

Danach scherzte er noch über die Amazon-Serie „Transparent“ über das späte Coming Out einer Transfrau gegenüber ihrer Familie. Hauptdarsteller Jeffrey Tambor, der in der Rolle der Maura Pfefferman bereits 2015 mit einem Golden Globe als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde, machte gute Miene zum bösen Scherz.

Doch auf Twitter empörten sich die User über die Scherze von Ricky Gervais. „Die gesamte Besetzung von ‚Transparent‘ verdient einen Preis dafür, lahme transphobe Scherze zu ertragen, bei jeder einzelnen Preisverleihung, auf der sie sind“, schreibt beispielsweise User Phillip Picari.

Golden Globes für Lady Gaga und Sam Smith

Doch es gab bei der Verleihung der Golden Globes auch positive Momente für schwule, lesbische, bisexuelle und transgender Zuseher: So wurde Lady Gaga für ihre Rolle der 111-jährigen Vampirin Elizabeth in „American Horror Story: Hotel“ mit einem Preis in der Kategorie „Beste Schauspielerin in einer Miniserie/einem TV-Film“ ausgezeichnet. In Österreich und Deutschland ist die Serie derzeit auf dem Bezahlsender Fox zu sehen.

Damit setzte sich die 29-Jährige gegen Schauspielerinnen wie Kirsten Dunst, Felicity Huffman und Queen Latifah durch – und überraschte in ihrer Dankesrede: „Ich wollte eigentlich in erster Linie eine Schauspielerin sein, aber mit der Musik hat es zuerst geklappt“, so die New Yorkerin.

Überrascht von seinem Gewinn war Sam Smith: Der offen schwule Brite gewann den Golden Globe in der Kategorie „Beste Filmmusik“ für seinen Bond-Song „Writing’s on the Wall: „Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass wir diesen Preis erhalten“, so der 23-Jährige.

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Schwul-lesbische Personen sind in Mainstream-Serien angekommen

Und auch Fernsehserien mit schwul-lesbischen Inhalten wurden dieses Jahr bei den Golden Globes wieder mit Preisen bedacht. So wurde „Mr. Robot“ als beste Drama-Serie ausgezeichnet. Die Serie handelt von Hacker Elliot, der bei einer Firma für Cybersicherheit arbeitet. Sein Boss Gideon, gespielt von Michel Gill, ist mit einem Mann verheiratet. Gespielt wird der Gatte von Randy Harrison, der einst den Schuckel Justin Taylor in der US-Version der Serie „Queer as Folk“ gespielt hat.

Keinen Golden Globe gab es hingegen für „Transparent“ oder „Orange is the New Black“. Hier holte eine andere Amazon-Serie den Preis: „Mozart in the Jungle“ mit Hauptdarsteller Gael García Bernal, unter anderem bekannt durch seine Rolle im Pedro-Almodovar-Film „La mala educación“. Er bekam auch den Preis als bester Hauptdarsteller einer TV-Comedyserie. Doch auch diese Serie hat einen LGBT-Aspekt: Eine der Rollen ist die bisexuelle Cellistin Cynthia, gespielt von Saffron Burrows.

LGBT-Filme gehen leer aus

Keinen Preis gab es hingegen für LGBT-Kinofilme. Obwohl sowohl „Carol“ als auch „The Danish Girl“ mehrmals nominiert waren, gab es für sie keinen Golden Globe. Das ist besonders bitter, war „Carol“, ein lesbisches Liebesdrama nach einer Vorlage von Patricia Highsmith, doch fünf Mal nominiert – öfter als jeder andere Film.