[Video] David Bowie ist tot: Heute sind wir alle Helden

Erst vor zwei Tagen ist sein Album „Blackstar“ erschienen – heute früh mussten Medien in aller Welt den Tod von David Bowie vermelden. Der Sänger, der mit bürgerlichem Namen David Robert Jones hieß, starb im Alter von 69 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

Er kämpfte eineinhalb Jahre gegen den Krebs

David Bowie sei „nach einem 18 Monate andauernden beherzten Kampf gegen Krebs“ friedlich eingeschlafen, heißt es einer Mitteilung, die sein Sohn Duncan Jones über Facebook verbreitet hat. Die Familie bittet Medien und Fans, ihre Privatsphäre in diesen schweren Stunden zu respektieren.

Zuvor waren praktisch keine Informationen über die Erkrankung des Künstlers an die Öffentlichkeit gedrungen. Erst gestern hat das ehemalige Topmodel Iman, mit der David Bowie seit 1992 verheiratet war, gepostet: „Der Kampf ist echt, aber das ist auch Gott“.

Ein Künstler, der sich immer wieder selbst neu erfunden hat

Mit David Bowie verlässt ein Multitalent diese Welt, das auch die Queer Culture so prägte wie kaum ein anderer. Der Musiker, Schauspieler, Produzent und Maler hat seit den späten 1960er-Jahren mit seinem androgynen Auftreten für Aufmerksamkeit gesorgt. Er galt als Chamäleon der Popmusik.

Insgesamt hat der im Londoner Stadtteil Brixton geborene Künstler 140 Millionen Tonträger verkauft. Sein erster Hit in den Charts war „Space Oddity“ im Jahr 1969, das er unter dem Namen seines Alter Ego Ziggy Stardust herausbrachte.

Die Kunstfigur Ziggy Stardust war ein bisexueller Rockstar aus dem Weltall. Und die Grenzen zwischen David Bowie und Ziggy Stardust verschwammen: Sowohl musikalisch als auch mit seinen Auftritten hat er die Grenzen zwischen den Geschlechtern gesprengt. Im Jahr 1972 outete er sich in einem Interview mit dem „Melody Maker“ als schwul, obwohl er zwei Jahre zuvor Angela Barnett geheiratet hatte. Im Jahr 1976 erklärte er in einem Interview mit den „Playboy“, bisexuell zu sein. Das sei das „Beste, was mir je passiert ist“, sagte er damals.

Musikalisch ließ er sich zu dieser Zeit unter anderem von der Kreativität des geteilten Berlins inspirieren: Zwischen 1976 und 1978 nahm David Bowie zusammen mit Brian Eno in den legendären Hansa-Tonstudios seine „Berlin-Trilogie“ auf: „Low“, „Heroes“ und „Lodger“ – drei Kult-Alben, auf denen auch seine legendäre Ost-West-Hymne „Heroes“ zu hören ist, die er als „Helden“ auch auf deutsch gesungen hat, als Ehrerbietung für das geteilte Berlin.

In den 1980er-Jahren wurde David Bowie ruhiger – auch, was seine sexuelle Neugier betraf: Als er mit Liedern wie „Let’s Dance“ oder „Ashes to Ashes“ im klassisch geschnittenen Herrenanzug mit schmaler Krawatte den Mainstream eroberte, betonte er seine Heterosexualität. Im Jahr 1983 bezeichnete er in einem Interview mit dem „Rolling Stone“ die Aussagen über seine Bisexualität als den „größten Fehler, den ich gemacht habe“ – er sei nur ein „ungeouteter Heterosexueller“ gewesen, so Bowie.

Fasziniert von der queeren Kultur, nicht der queeren Sexualität

Vielmehr dürfte sich David Bowie in den 1970er-Jahren von der Queer Culture denn von queerer Sexualität angesprochen gefühlt haben, vermutet sein Biograf David Buckley. Diese Umgebung sei für ihn ein künstlerisches Ventil gewesen. „Ich wollte mit Fleisch und Blut Ziggy sein, und dazu war es unerlässlich, dass ich Ziggy finde und er bin. Die Ironie des ganzen war, dass ich nicht schwul war. Ich habe es ausprobiert, aber ehrlich gesagt war es nicht angenehm“, erinnert sich Bowie im „Rolling Stone“.

In habe eher das Tabu gereizt, meint er 2004 in einem Interview: „Zu der Zeit war ich bisexuell, oder zumindest habe ich geglaubt, ich sei es. Vielleicht war ich ja eher versuchssexuell“, so David Bowie: „Aber nachdem klar war, dass ich heterosexuell bin, war es nur noch ein Experiment, das ich machte.“

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