[Video] Usbekischer Präsident nennt Lesben und Schwule ‚geisteskrank‘

Nennt die westliche Kultur 'vulgär', weil sie Homosexualität fördere

Der usbekische Präsident Islam Karimow hat sich letzte Woche in der Öffentlichkeit abfällig über Lesben und Schwule geäußert. Bei einer Sitzung mit Abgeordneten aus der Region der Hauptstadt Taschkent, die im Fernsehen übertragen wurde, sprach er über die „vulgäre Kultur“ des Westens.

„Wenn Männer mit Männern leben und Frauen mit Frauen, dann denke ich muss hier oben etwas falsch sein“, sagte Karimow und zeigte sich dabei auf den Kopf. „Wir sprechen über die sogenannte westliche Kultur. Wir nennen sie geschmacklose Kultur“, ergänzte der 78-Jährige. „Wir haben ein Sprichwort: Wenn Gott zeigen will, wie geschmacklos jemand ist, nimmt er ihm zuerst den Verstand“, so der bislang einzige Präsident Usbekistans seit der Unabhängigkeit des Landes 1991. Es sei sogar unangebracht, in Gegenwart zu Frauen über dieses Thema zu sprechen, so Karimow.

Im Westen veröffentlicht und übersetzt wurde die Ansprache von Radio Free Europe, einem von der US-Regierung finanzierten Sender zur Förderung der journalistischen Unabhängigkeit. Der Sender zeigt auf seiner Homepage auch einen Videomitschnitt der Rede mit englischen Untertiteln.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der usbekische Präsident dementsprechend äußert: In einem Gespräch mit dem US-Botschafter hat Karimow gemeint, dass die Demokratie nach westlichem Vorbild nichts für sein Land wäre.

Er erklärte weiters, dass Homosexualität für Usbeken „abstoßend“ sei, und eine Demokratie westlicher Prägung die „moralische Reinheit“ des Landes verletzten würde, „weil sie die Praxis der Homosexualität erlaubt oder fördert“, so der Präsident Usbekistans. Öffentlich wurden diese Äußerungen im Jahr 2013 als die diplomatischen Depeschen durch WikiLeaks veröffentlicht wurden.

Was wie eine wirre Äußerung eines alten Mannes wirkt, hat einen ernsten Hintergrund: Einvernehmliche homosexuelle Handlungen können in Usbekistan mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Die Polizei soll dieses Gesetz vor allem nutzen, um Betroffene zu erpressen oder Regimekritiker oder unliebsame Journalisten in der ehemaligen Sowjetrepublik zu verfolgen.

Im Jahr 2009 wurde auch ein Aids-Aktivist verhaftet und wegen „Förderung“ von Homosexualität zu sieben Jahren Haft verurteilt. Im Jahr 2011 wurde er nach internationalen Protesten wieder aus der Haft entlassen.

Usbekistan und Turkmenistan sind die einzigen ehemaligen Sowjetrepubliken, in denen Homosexualität noch unter Strafe steht. Das Land ist mit Russland noch immer eng verbunden. Von den 30 Millionen Einwohnern Usbekistans sind rund 90 Prozent Sunnitische Muslime. Das Land wird laizistisch und autoritär geführt. Präsident Islam Karimow ist seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 im Amt.