Papst und Patriarch einig beim Kampf gegen die Ehe für Homosexuelle

Es war ein historisches Treffen, das am Freitag auf Kuba stattfand: Zum ersten Mal in der Geschichte des Christentums haben sich ein Papst und ein russisch-orthodoxer Patriarch getroffen. Doch bei allen Unterschieden und Meinungsverschiedenheiten sind sich die beiden Kirchenführer in einem Punkt einig: Lesben und Schwule sollen nicht heiraten dürfen – um die Familie zu schützen.

So haben Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. eine dreißig Punkte umfassende gemeinsame Erklärung unterzeichnet, in der sie unter anderem eine „Krise der Familie“ herbeibeschwören. Bei der Definition einer Familie sind sich beide Seiten einig: „Die Familie gründet sich auf der Ehe, dem Akt der freien und treuen Liebe eines Mannes und einer Frau“, so die auf italienisch und russisch veröffentlichte Erklärung. Doch: „Wir bedauern, dass andere Formen des Zusammenlebens mittlerweile auf die gleiche Stufe dieser Verbindung gestellt werden, während die durch die biblische Tradition geheiligte Auffassung der Vaterschaft und der Mutterschaft als besondere Berufung des Mannes und der Frau in der Ehe aus dem öffentlichen Bewusstsein ausgeschlossen wird.“

Was im Klartext heißt: Wir sind gegen eine Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare, weil diese Beziehungen weniger wert sind.

Auch sonst strotzt die gemeinsame Erklärung von Franziskus und Kyrill vor reaktionären Formulierungen: Man kritisiert die „Transformation einiger Länder in säkularisierte Gesellschaften“, die für die Kirchenoberhäupter eine „schwere Bedrohung für die Religionsfreiheit“ darstelle. Es ist die Rede von einem „aggressiven Säkularismus“, der zu einer Diskriminierung von Christen führe. Europa solle dankbar für seine christlichen Wurzeln sein, so die beiden Kirchenführer.

Die Begegnung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill dauerte rund zwei Stunden und fand auf dem Flughafen von Havanna stand. Es war das erste Mal seit der Kirchenspaltung im 11. Jahrhundert, dass sich die Führer der beiden Kirchen getroffen haben. Bei dem Treffen sagte der Papst dem entsprechend auch „Wir sind Brüder, endlich“.