20-jähriger Chilene vom Nachbarn erschossen – weil er schwul war

Ein dramatisches Verbrechen an einem jungen Schwulen sorgt in Chile für Entsetzen: Marcelo Velius Lepez Parraguez, ein 20 Jahre alter Verkleidungskünstler in einem Zirkus, wurde von seinen Nachbarn beleidigt, angegriffen und angeschossen. Er erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Ein Streit, eine Waffe, ein Schuss

Ereignet hat sich die Tat in der Nacht zum Mittwoch in San Bernardo, einer 240.000-Einwohner-Stadt im Süden der Hauptstadt Santiago de Chile. Offenbar wurde der junge Mann gegen zwei Uhr früh von seinen Nachbarn, einem Mann und einer Frau, zunächst beschimpft, weil er schwul war. Medienberichten zufolge arbeitete er auch als Drag Queen.

Dann beleidigten sie den 20-Jährigen. Schließlich verteidigte die Mutter des Angegriffenen ihren Sohn. Plötzlich soll der Nachbar auf den Burschen geschossen haben. Die Kugel traf Marcelo Velius Lepez Parraguez seitlich am Bauch. Er wurde in ein Krankenhaus eingeliefert – doch auch dort waren die Wiederbelebungsversuche umsonst: Der junge Mann starb wenige Stunden danach.

Begräbnis als Botschaft gegen Hass und Gewalt

Er wird am Samstag zu Grabe getragen. Seine Familie hofft, dass viele Menschen am Begräbnis teilnehmen und so ein Zeichen gegen Homophobie setzen. Denn für die Verwandten des 20-Jährigen ist klar: Marcelo musste sterben, weil er homosexuell war und zu seiner sexuellen Orientierung stand. Seine Familie wird von der Gruppe „Frente de la Diversidad Sexual de Chile“, einem Bündnis mehrerer LGBT-Organisationen, psychologisch und rechtlich unterstützt.

Das Bündnis hat die Tat verurteilt: „Wir fordern von den Behörden, dass dieses Verbrechen nicht unbestraft bleibt, wie das mit ähnlichen Taten geschehen ist, die durch die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität der Opfer motiviert wurden“, heißt es in einer Stellungnahme.

Der mutmaßliche Täter befindet sich nach Angaben der Polizei in Untersuchungshaft, seine Frau wurde wieder freigelassen. Ihnen droht eine Anklage nach dem Gesetz gegen Hassverbrechen.

Immer wieder tödliche Gewalt gegen Schwule in Chile

Dieses Gesetz wurde 2012 vom chilenischen Parlament verabschiedet. Anlass dafür war der brutale Angriff einer Gruppe Neonazis auf den 24-jährigen Daniel Zamudio: Sie ritzten ihm ein Hakenkreuz in die Brust und schlugen ihn ins Koma, aus dem er nicht mehr aufwachte. Drei Wochen nach der Tat starb er.

Der Film „You Will Never Be Alone“, der sich mit der Ermordung Zamudios auseinandersetzt, wurde bei der Berlinale am Freitag mit dem „Special Jury Award“ der „Teddy“-Jury ausgezeichnet. Durch den Mord an Marcelo Velius Lepez Parraguez beweist der Film traurige Aktualität.