Russischer Schwuler wird verprügelt – und gibt nicht auf

Ivan Kravistin wohnt in Sysran, einer 178.000-Einwohner-Stadt in Russland, etwa 1000 Kilometer östlich von Moskau. Weil er schwul ist, wurde er beim Einkaufen angegriffen und verprügelt. Doch seine Antwort auf die Angriffe zeigt: Seine Würde hat er bei den Prügeln nicht verloren!

Kravistin war letzte Woche in einem Supermarkt einkaufen, als ein muskulöser Mann ihm den Ausgang versperrte. Er fragte ihn, ob er seine Nägel lackiere und seine Haare färbe, weil er eine „Schwuchtel“ sei.

Zum Antworten kam der junge Mann nicht mehr: Der Unbekannte schlug ihm auf die Augen, in sein Gesicht und auf den ganzen Körper. Ein Passant versuchte noch, den Angreifer zu beruhigen, indem er ihm sagte, auch er möge keine Homosexuellen, sei aber dagegen, sie zu verprügeln.

Anschließend ließ der Muskelmann sein Opfer in seinem eigenen Blut liegen. Die herbeigerufene Polizei konnte den Mann schnell verhaften und wegen „Hooliganismus“ anzeigen.

Ivan Kravistin erzählt, nach dem Angriff hätten ihn Freunde und Familienmitglieder gebeten, sich dezenter zu geben, seine Nägel nicht mehr zu lackieren und seine Haare nicht mehr zu färben. Doch das will der junge Mann auf keinen Fall machen.

„Wenn es nach einigen Menschen geht, sollte ich aufhören, über LGBT-Rechte zu reden und die Tatsache akzeptieren, dass Lesben und Schwule in Sysran und Russland nie als normal akzepiert werden“, schreibt er in seinem Profil auf der russischen Social-Media-Plattform „VKontakte“.

„Lebe hinter verschlossenen Türen wie Du willst, mit einem Freund, und alles ist in Ordnung. Wenn ich nicht ‚nach Ärger suchen‘ würde, wäre mein Leben wohl ein Märchen. Aber dieses ‚glücklich bis an ihr Ende“ ist eine Lüge. Wenn man Homophoben nachgibt, wenn man im Verborgenen lebt, lebt man nicht das bestmögliche Leben“, so Ivan Kravistin weiter.

„Wenn ich mich entscheiden muss, ob ich mein Leben lebe und plötzlich sterbe oder ein langsames, schmerzhaftes Leben im Verborgenen führe, entscheide ich mich für ersteres“, macht Kravistin klar.

Und er fügt hinzu: „Während ich ein zerstörtes Gesicht habe, hast Du ein zerstörtes Leben.“

„Sag über Homosexualität, was immer du willst. Ich verdiene das nicht. Niemand verdient das.“ Denn: „Ich lasse mich nicht mehr zurückdrängen, das ist der wichtigste Grund, warum ich mich geoutet habe: Die Menschen müssen wissen, dass es uns gibt.“