„Blackfacing“ in der Szene: XTRA!-Cover sorgt für Empörung

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Der Ball des Club Kreativ ist jedes Jahr ein heimliches Highlight der schwul-lesbischen Ballszene. Doch dieses Jahr sorgt die Veranstaltung für mehr Aufmerksamkeit als in den letzten Jahren – denn einige Besucher haben das Thema des Balls, „Afrika – In der Bar zum Krokodil“, nicht mehr zeitgemäß interpretiert.

Lustiges Gschnas oder Rassismus?

Wie auch in den vergangenen Jahren immer wieder nahm das größte österreichische Szenemagazin „XTRA!“ ein Bild des Balls aufs Cover: Es zeigte einen Besucher des Balls, der sich als Schwarzafrikanerin verkleidet hat: Mit bunten Gewändern, einem Traumfänger als Haarschmuck – und dunkel angemaltem Gesicht.

Das sorgt in der Community für Unmut. Eröffnet wurde der Reigen der Kritik von der Türkis Rosa Lila Villa. In der Rubrik „Gewalt“ erklärten die Aktivisten, dass die aktuelle Ausgabe des „XTRA!“ deshalb nicht in der Villa aufliegt. „Das Cover-Foto wurde auf dem diesjährigen Kreativball des Club Kreativ aufgenommen. (…) Die Bilder, die auf der Facebook-Seite und der Homepage vom Club Kreativ veröffentlicht wurden, zeigen ganze Gruppen von Besucher_innen in Blackface und diverse Formen von kultureller Aneignung.“, so die Begründung für den Boykott.

Warum „Blackface“ ein Problem ist

Der Protest gegen „Blackface“ hat seine Wurzeln in den USA: Mitte des 19. Jahrhunderts malten sich weiße Darsteller das Gesicht dunkel an und spielten einen Schwarzen. Doch was anfangs der klassischen Tradition des Narren aus der italienischen Commedia dell’arte entsprang, der auch gesellschaftliche Situationen kritisieren konnte, wurde bald zu einem rassistischen Symbol.

„Jedes Mal, wenn ein schwarz geschminkter Weißer irgendwo auftritt, sagt das: Schwarze können das nicht. Schwarze kennen wir nicht. Schwarze gibt es in unserer Mitte nicht. Was Schwarze von dieser Rolle halten würden, wenn es sie in unserer Mitte gäbe, interessiert uns nicht“, erklärt Anatol Stefanowitsch von der Initiative „Anglizismus des Jahres“ der „tageszeitung“ die Gründe für die Kritik.

Seit ungefähr 15 Jahren gibt es die Diskussion über „Blackfacing“ auch im deutschsprachigen Raum, vor allem in Theaterkreisen. Von dort hat sie in den letzten fünf Jahren breitere Kreise gezogen – offenbar nicht breit genug, um auch bei den Besuchern des Kreativ-Balls oder der Redaktion des „XTRA!“ für entsprechende Sensibilität zu sorgen.

Kein aktuelles „XTRA!“ bei der HOSI Wien und in der Villa

Und so zieht die Empörung weitere Kreise: Auch die HOSI Wien hat sich entschlossen, die aktuelle Ausgabe des Magazins nicht in ihrem Vereinslokal, dem „Gugg“ aufzulegen. Unterstützung für diese Vorgehensweise gibt es auch vom schwul-lesbischen Sportverein „Aufschlag“: Der Verein kritisiert nicht nur den Club Kreativ, da während des Balls „rassistische Bilder reproduziert wurden“, wie die Sportler auf Facebook schreiben. „Ebenso kritisieren wir, dass XTRA! unreflektiert von dieser Veranstaltung berichtet hat. Nicht nur der Kreativ-Club und XTRA!, sondern letztlich wir alle sind aufgerufen, wachsam und ablehnend gegenüber Rassismus in all seinen Ausdrucksformen zu sein.“

Und die Kritik kommt auch aus Berlin: Die „Siegessäule“, Berlins gratis Stadt-Magazin für LGBT, kritisiert online ebenfalls Veranstaltung und Berichterstattung: „Das Bild, das laut dem Magazin auf dem 24. Kreativball, dem ‚ultimativen Faschings-Highlight der Wiener LGBT-Gemeinde und ihres Umfeldes‘ entstand, lässt einen sprachlos zurück.“, heißt es in einem Kommentar.

Der Club Kreativ hat sich auf seiner Facebook-Seite noch nicht zu der Causa geäußert. Eine Stellungnahme von der „XTRA!“-Redaktion ist angefragt.

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