„Grindr hat die Szene nicht zerstört“

App-Gründer Joel Simkhai nimmt zu Vorwürfen aus der Community Stellung

Es ist eine emotionale Debatte: Haben Dating-Apps wie Grindr die herkömmliche Szene mit ihren Bars zerstört? Einer, der das – wenig überraschend – nicht glaubt, ist Joel Simkhai, der Gründer von Grindr. In der aktuellen Ausgabe von „Time Out Hong Kong“ erklärt er auch, warum.

„Auch vor Grindr wollte man nicht immer fortgehen“

„Auch vor Grindr, glaube ich, wollte man nicht immer fortgehen“, erklärt der Geschäftsmann. „Ich glaube, unsere User fühlen sich in Bars noch immer sehr wohl. Und sogar, wenn man an so einem Platz ist und sich nicht traut, jemanden anzusprechen, kann man auch in der Bar noch Grindr nutzen“, so Simkhai über seine App: „Wenn man in irgendeine Schwulenbar oder einen Club geht, sieht man viele Leute Grindr benutzen.“

Auch macht er mit der realen Szene gute Geschäfte: „Viele unserer Werbekunden und Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten, sind Bars und Clubs. Das Feedback, das wir bekommen ist, das Grindr ein sehr effektives Werkzeug ist.“

Grindr-Chef übernimmt keine Verantwortung für das, was durch die App passiert

Kritik, dass die App zwischenmenschliche Beziehungen beim Flirten minimiert und zu einem Anstieg von sexueller Gewalt und Ansteckungen sexuell übertragbarer Krankheiten führt, prallt an dem Geschäftsmann ab. Schlussendlich sei Grindr nur „eine App, die dir die Burschen in deiner Umgebung zeigt und du kannst sie treffen“, so Simkhai weiter. „Man trifft jemanden, und viele verschiedene Dinge können passieren. Damit fühle ich mich sehr wohl“, erklärt er.

„Manche suchen ein schnelles Date, andere sind Freunde geworden, Partner oder WG-Kumpanen – und das ist der natürliche Lauf des Lebens“, ist der Gründer der Dating-App überzeugt, und fügt hinzu, dass auch er seine App gerne nützt.

Die App kann ein Vorteil in Ländern sein, in denen Homosexualität verboten ist

Er sieht Grindr sogar als Vorteil, wenn es um Länder geht, in denen Homosexualität verboten ist: „Es ist schwer, eine Kultur zu verändern, aber es gibt ein paar Sachen, die wir tun können – wir können es für Typen leichter machen, sich zu treffen. Schwule Männer sind Männer. In jeder Kultur muss die Gesellschaft ihre Mitglieder akzeptieren. Das sollte in jeder Kultur so sein“, sagt Simkhai.

Was er dabei verschweigt: Viele nicht-demokratische Regime wie beispielsweise in Ägypten nutzen Grindr, um schwulen Männern auf die Spur zu kommen und sie dann strafrechtlich zu verfolgen. Durch eine Sicherheitslücke im System müssen die Jäger dabei nicht einmal eingeloggt sein, um auf einer Karte die User angezeigt zu bekommen.