Ja zur Ehe-Öffnung: Konservative greifen Irmgard Griss an

Irmgard Griss, ehemalige Höchstrichterin und Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, ist ins Visier konservativer Funktionäre gelandet. Denn sie setzt sich – auch aus juristischen Gründen – für eine Öffnung der Ehe ein. Gestern hat sie deshalb das parlamentarische Bürgerbegehren „Ehe gleich!“ unterzeichnet.

Klare Haltung für Ex-VP-Politiker ‚unverständlich‘

Für das bürgerlich-konservative Lager meldete sich Helmut Kukacka zu Wort: Der gescheiterte ÖVP-Generalsekretär ist nun Präsident der „Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände“ (AKV). Er bezeichnet die klare Positionierung von Griss als „politisch unverständlich“ und „sachlich ungerechtfertigt“.

Man bedauere im AKV, dass Griss nicht an der Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau festhalten wolle. „Es gibt aber keinen sachlich gerechtfertigten Grund, die Lebensgemeinschaft zweier Menschen des gleichen Geschlechts ebenfalls als Ehe zu bezeichnen“, so Kukacka.

Kritik an der Bürgerinitiative „Ehe gleich!“

Dem ehemaligen ÖVP-Politiker scheint auch der Erfolg der Initiative „Ehe gleich!“ etwas ungeheuer zu sein: „Der Bürgerinitiative ‚Ehe gleich‘ geht es offensichtlich nicht um gleiche Rechte, sondern längst darum, im Namen der Gleichheit alle natürlichen Wesensunterschiede aufzuheben“, ärgert sich Helmut Kukacka, um seine Sicht der Dinge zu betonen: „Ungleiches kann auch nicht durch eine Bürgerinitiative gleich gemacht werden!“

Im Namen der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände bedauert Kukacka, „dass Irmgard Griss mit dieser Unterzeichnung der Bürgerinitiative ein gesellschaftlich bedenkliches Signal setzt“, so der Ex-Parteisekretär.

FP-nahes Blog beleidigt Präsidentschafts-Kandidatin

Doch er ist nicht der einzige, der Irmgard Griss wegen ihrer Haltung zur Öffnung der Ehe angreift. Das der FPÖ nahestehende Blog „unzensuriert.at“ schreibt zu ihrer gestrigen Unterzeichnung: „Medienwirksam gab die vermeintlich unabhängige Kandidatin ihre Unterstützung für homosexuelle Paare, die heiraten wollen“ und bezeichnete den Kampf für die Ehe-Öffnung als „kuriose Ansicht“.

Bei den regelmäßigen Lesern des Blogs verfehlt die Meldung ihre Wirkung nicht. User „Tea Party“ bezeichnet sie als „Homo-Oma“ und findet es „schauderhaft“, „dass diese Schabracke mit ihren wirren Fantasien Österreich ‚repräsentieren‘ könnte“, und ein Leser mit dem Nick „Patriotismus“ meint, „die alte Schachtel gehört in ein Heim für Demenzkranke“.