Alice Weidel: Lesbe im AfD-Vorstand irritiert bei Sandra Meischberger

Für Irritationen im TV-Talk von Sandra Maischberger sorgte gestern Alice Weidel, Mitglied im Bundesvorstand der Alternative für Deutschland (AfD). Denn die Internet-Unternehmerin vom Bodensee, die derzeit die parteiinterne Diskussion um das Grundsatzprogramm der Partei leitet, ist lesbisch und zieht gemeinsam mit ihrer Partnerin ein Kind groß.

Homosexuell in homophober Partei? Kein Problem!

Doch bisher war die AfD eher durch homophobe Töne aufgefallen: In einem vor kurzem durchgesickerten Entwurf des Grundsatzprogrammes der AfD, für das sie als Vorsitzende der Bundesprogrammkommission verantwortlich ist, wird ein Weltbild deutlich, das dem von Weidel aber deutlich widersprechen dürfte.

So wird in dem Entwurf unter anderem vor einer „Propagierung der Homo- und Transsexualität im Unterricht“ gewarnt, Lesben und Schwule als „laute Minderheit“ bezeichnet. Die „natürliche Gemeinschaft“ aus Vater und Mutter sei „das Beste für das Kindeswohl“, heißt es. Das endgültige Programm soll auf einem Parteitag im April beschlossen werden.

Auf diesen Zwiespalt angesprochen kommt Weidel kurz ins Schleudern. Zwischen diesen Formulierungen und ihrem Leben sieht sie keinen Widerspruch: Man müsse zwischen Privatem und Beruflichem trennen, so die 37-jährige, als sie von Sandra Maischberger auf ihre Regenbogenfamilie angesprochen wird. Zur AfD sei sie gekommen, weil sie mit der Euro-Rettungspolitik der schwarz-gelben Bundesregierung nicht mehr einverstanden gewesen sei.

Seriöses Auftreten statt wirrer Parolen

Tatsächlich zeigt Alice Weidel ein professionelleres Gesicht der AfD: Sie sei „auf seriös gestylt“, analysiert die „Bild“-Zeitung – mit „Business-Klamotten, weiße Frauke-Petry-Gedächtnisbluse, Perlenkette“. In der Sendung distanzierte sie sich von rechter Gewalt. „Sie würde ich eigentlich auf dem rechten Flügel der FDP vermuten“, meint „Stern“-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges im Meischberger-Talk.

Auf ihrer Facebook-Seite, auf der sie auch stolz mit FPÖ-Mastermind Harald Vilimsky posiert, bekam die bisher eher unbekannte Politikerin viel Zuspruch für ihren Auftritt. Ihre sexuelle Orientierung wurde dort größtenteils ausgeblendet: Für einen User auf ihrer privaten Seite ging Meischberger mit ihrer Frage über Weidels Lebenssituation „zu stark ins Private – das gehört sich nicht“.

Die sexuelle Orientierung von Alice Weidel wurde das erste Mal letzte Woche in einer Reportage der Wochenzeitung „Die Zeit“ thematisiert. Der Journalist Malte Henk sprach mit Wedel und beschrieb ihren „irren Lebenslauf“: „Hat in China geforscht, für Goldman Sachs gearbeitet und in Hongkong, Hamburg und anderswo Start-ups hochgezogen. Lesbisch, Lebensgefährtin, kleines Kind. Bezeichnet sich selbst als ‚Urliberale‘. Sitzt mit Leuten wie Gauland, Petry und von Storch im Vorstand der AfD, in der zweiten Reihe, aber immerhin. Ich muss gestehen, dass mich das überrascht“, so der Journalist.