Nigeria: Mutmaßlicher Ehemann des Schweizer Botschafters erregt das Land

Die Regierung Nigerias soll Ermittlungen gegen den Schweizer Botschafter eingeleitet haben, weil der gemeinsam mit seinem Partner im Land leben soll. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht, Politiker stellen sich hinter den Diplomaten.

Vor einem Jahr hat Eric Mayoraz seine Stelle als Eidgenössischer Botschafter für Nigeria, Niger und den Tschad angetreten. Seine Botschaft befindet sich in der nigerianischen Hauptstadt Abuja.

„Carlos“ als Begleiter des Botschafters erzürnt Nigeria

Die lokale Zeitung „Daily Trust“ berichtet nun, dass er seinen Ehemann, einen Brasilianer namens „Carlos“ mitgenommen haben soll. Dieser soll von der Schweizer Botschaft auch als Mitglied für die Vereinigung der Ehepartner von Botschaftern gemeldet worden sein. Nach wenigen Wochen revidierte die Botschaft diese Meldung allerdings.

Die Regierung des afrikanischen Landes wisse über diese Gerüchte Bescheid, bestätigte Akinremi Bolaji, ein Sprecher des nigerianischen Außenministeriums. Man habe auch schon begonnen, Ermittlungen einzuleiten: „Wir wurden offensichtlich getäuscht, weil wir einer solchen Person nie erlaubt hätten, das Land zu betreten“, so Bolaji.

Todesstrafe für homosexuelle Handlungen, Haft für LGBT-Hilfe

Nigeria hat Homosexualität im Jahr 2014 kriminalisiert. Im christlichen Süden Nigerias wird Homosexualität mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft, im muslimischen Norden, in dem nach der Scharia Recht gesprochen wird, droht Schwulen gar der Tod durch Steinigung.

Auch, wer sich für die Anliegen sexueller Minderheiten einsetzt, muss damit rechnen, im Gefängnis zu landen. „Wir haben ein Gesetz, das von allen befolgt werden muss. Wenn wir ihn für schuldig befinden, muss er sich dem vollen Zorn des Gesetzes stellen“, so der Sprecher des Außenministeriums weiter.

Botschaft und Außenamt geben sich zugeknöpft

Ob Botschafter Eric Mayoraz oder Carlos durch die diplomatische Immunität geschützt ist, ist unklar. „Die Gesetze des Empfangsstaats sind einzuhalten“, erklärt Pierre-Alain Eltschinger, Sprecher des Eidgenössischen Departement des Äußeren (EDA), dem Außenministerium der Schweiz, gegenüber „20 Minuten“.

Eine offizielle Untersuchung der nigerianischen Behörden gegen den Schweizer Botschafter dürfte es aber noch nicht geben. Der EDA-Sprecher erklärte, dass es darüber noch keine Mitteilung gebe.

Gegenüber der Schweizer Boulevardzeitung „20 Minuten“ meinte Mayoraz, er wolle die „lamentable Sache“ nicht kommentieren. Das EDA und die Botschaft teilten mit, dass man zu den privaten Verhältnissen der Botschaftsangehörigen keine Stellung nehme.

Den Recherchen der Schweizer Zeitung zufolge hat ein Mann namens Carlos den Schweizer Botschafter Eric Mayoraz auch bei seinen vorherigen Stationen begleitet: Sowohl auf den Schweizer Vertretungen in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo sowie in Buenos Aires war er zeitgleich mit dem Diplomaten.