Island: 18-jähriger Transmann bekommt Tochter

Henrý Steinn lebt in einem Dorf mit 200 Einwohnern im Norden der Insel

Henry Steinn
privat

Ungewöhnliches Familienglück im Norden Islands: Der 19-jährige Transmann Henrý Steinn hat am 13. April ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht. Vater ist Steinns Partner Þórir Leó Pétursson, genannt Doddi. Die beiden sind seit Februar 2015 ein Paar.

Schwangerschaft war nicht geplant

Steinn wurde von der Schwangerschaft überrascht: Er hat sich erst im Oktober 2014 als transsexuell geoutet, lebte bereits als Mann und hat vor kurzem begonnen, männliche Hormone einzunehmen. Damit pausiert der Teenager nun, solange er seine Tochter stillt. Erst, wenn „wir beide davon genug haben“, setzt er seine Geschlechtsanpassung fort, erklärt er GayIceland.is: „Ich habe mich nur hundertprozentig männlich gefühlt, aber auf dieser Seite des Spektrums fühle ich mich so viel besser, dass ich die Behandlung fortsetzen werde, sobald ich kann.

Seine Tochter kam durch einen Kaiserschnitt auf die Welt. Zuvor lag Henrý Steinn 26 Stunden in den Wehen. „Ich war dann sehr müde, aber am Ende ist alles gut gegangen und uns beiden geht es großartig“, erinnert er sich an die Geburt. Der Name des Mädchens soll in einigen Tagen, zu Pfingsten, bekanntgegeben werden.

Das Dorf nahm die Nachricht positiv auf

Steinn und sein Partner sind seit dem Valentinstag 2015 ein Paar. Sie leben in der 200-Einwohner-Gemeinde Árskógssandur im Norden Islands. Diskriminiert wurde er dort als Transgender nie. Und auch die Schwangerschaft wurde in dem Dorf positiv aufgenommen. „Soweit ich das mitbekommen habe, haben die Menschen eine lockere Einstellung. Ich bin auch locker und offen damit umgegangen und habe bislang keine Vorurteile erlebt“, erklärt er in dem Interview.

Auch seine Familie hat die Nachricht, dass aus der Tochter nun ein Sohn wird, gut aufgenommen: Seine Mutter habe die Nachricht gut aufgenommen, nur sein Vater war etwas verwirrt, erinnert sich der Transgender-Teenager. Und was den Vater noch mehr irritiert hat, war, dass sein neugewonnener Sohn nun eine Enkelin zur Welt bringen wird.

Keine Schwangerschaftskleidung für Männer

Ein Problem für Steinn war es, die richtige Schwangerschaftskleidung für einen Mann in anderen Umständen zu finden. Während der Schwangerschaft trug er vor allem große T-Shirts: „Es ist gut, dass mein Freund stärker ist als ich, so konnte ich mir seine Kleidung ausborgen. Ich habe Schwangerschaftshosen getragen, auch wenn mir der Schnitt zu feminin war, aber ich habe nie Schwangerschaftskleider oder Tuniken getragen“, erklärt der frischgebackene Vater.

Die Tochter von Henrý Steinn und Þórir Leó Pétursson soll übrigens zuänchst möglichst geschlechtsneutral aufwachsen: Zunächst gibt es für das Baby nichts, das zu rosa oder zu mädchenhaft ist: „Wenn das Kind offensichtliche Entscheidungen trifft, was sie gerne tragen will, hat sie die Freiheit, auszuwählen, was sie machen möchte“, erklärt Steinn.