Berlin: Niveau der Gewalt gegen schwule Männer bleibt hoch

Meistens Körperverletzungen gegen schwule Männer

Berlin: Nollendorfplatz
Standardizer/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Die Gewalt gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender in Berlin stagniert auf hohem Niveau. Das geht aus dem „Maneo-Report“ hervor, den das gleichnamige Anti-Gewalt-Projekt anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo- und Transphobie am 17. Mai veröffentlicht hat.

Vor allem schwule Männer sind betroffen

Demnach sind bei Maneo im letzten Jahr 541 Hinweise auf Gewalttaten eingegangen, das sind um über zehn Prozent mehr als 2014. Dabei wurden 259 Fälle von Gewalt ausgewertet, die einen homo- oder transphoben Hintergrund haben. 12 Fälle richteten sich dabei gegen sexuelle Minderheiten allgemein, 207 Fälle gegen Schwule und männliche Bisexuelle, 13 Fälle gegen Lesben und 23 Fälle gegen TransPersonen.
Bei 29 Prozent der Fälle hat es sich um einfache und gefährliche Körperverletzungen gehandelt, bei 23 Prozent um Beleidigungen, in 22 Prozent der gemeldeten Taten handelte es sich um Nötigungen und Bedrohungen.

Im Schöneberger Schwulenkiez hat die Polizei bereits reagiert

Die meisten Fälle wurden aus dem Bezirk Schöneberg gemeldet, in dem das Anti-Gewalt-Projekt auch seinen Sitz hat. Fünf Prozent der Fälle, die Maneo gemeldet wurden, fanden direkt vor Szenelokalen statt. Die hohe Anzahl von Vorfällen im Schöneberger Regenbogenkiez hatte bereits Anfang 2013 zu Gesprächen zwischen Maneo und der Berliner Polizei geführt, die zu verstärkten und Maßnahmen der Exekutive in dem Viertel geführt haben.
Für Bastian Finke von Maneo malen die Vorfälle „ein erdrückendes Bild, insbesondere vor dem Hintergrund eines vielfach höher geschätzten Dunkelfeldes“. Auch, wenn die Zahl der gemeldeten Fälle ungefähr gleichbleibt, liege sie weiter „auf hohem Niveau“.

Homophobe Gewalt „Angriff auf unser Wertesystem“

Finke fordert deshalb weitere gesellschaftliche Anstrengungen im Kampf gegen Homophobie und Transphobie, unter anderem in der Bildung, der Prävention und der Opferhilfe: „Denn diese Angriffe stellen einen Angriff auf unser demokratisches Wertesystem dar“, erklärt der Leiter des Anti-Gewalt-Projektes.
Für den Maneo-Report wurden nur jene Übergriffe gezählt, die direkt bei dem Anti-Gewalt-Projekt gemeldet wurden. Er ist deshalb nicht repräsentativ für alle Bezirke oder Formen von Gewalt gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender.