Sergey Lazarew bestreitet LGBT-Diskriminierung in Russland

Sergey Lazarev
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Seit gestern gegen 23.30 Uhr ist es fix: Russland ist im Finale des 61. Eurovision Song Contest in Stockholm. Bei der anschließenden Pressekonferenz nahm Sergey Lazarew, diesjähriger Interpret des russischen Beitrags, auch Stellung zur Lage von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender in seiner Heimat.

Schwulenverfolgung in Russland nur „Gerüchte und Gerede“

Ein ukrainischer Journalist fragte ihn danach und erklärte, dass sich viele schwule Fans des Song Contest Sorgen machen würden, wenn Lazarew gewinnen würde und der Bewerb nächstes Jahr in Russland stattfinde. Es sei eine wichtige Frage, die ihm oft gestellt worden sei, erklärte der russische Teilnehmer.

Doch dann redete die Probleme einfach weg: Es gebe „viele Gerüchte, viel Gerede über LGBT-Probleme in Russland“, so der russische Teilnehmer. Doch diese seien eben nur Gerede, erklärte Sergey Lazarew. Russland sei ein „modernes Land“ mit einem existierenden „Gay Life“ und vielen entsprechenden Locations, so der 33-Jährige: „Wenn die Eurovision nach Russland kommt, denke ich, werden wir die Gay Community sehr unterstützen. Ihr müsst kommen und euch das anschauen!“

Sotschi und das Finale 2009 als Positiv-Beispiele – die sie nicht waren

Schließlich gebe es funktionierende Beispiele aus den vergangenden Jahren: So habe es weder bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi, noch beim Song Contest 2009, der in Moskau stattgefunden hat, Probleme gegeben, so Sergey Lazarew.

Doch so einfach, wie es sich Lasarew macht, ist es nicht: Während der Olympischen Winterspiele in Sotschi wurde beispielsweise eine italienische LGBT-Aktivistin zwei Mal am Stadion festgenommen und weggeführt, obwohl sie ein gültiges Ticket besessen hatte.

„Schwule sollen nicht marschieren oder demonstrieren“

Und im Jahr 2009 hat der damalige Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow schwule ESC-Fans auf einer Pressekonferenz gewarnt: „Sie können Spaß haben, kein Problem, aber nicht auf den Straßen und Plätzen marschieren oder demonstrieren. Wir erlauben keine Schwulenparaden.“

Zwar gibt es in den Großstädten wie Moskau oder St. Petersburg vor allem eine florierende Schwulenszene mit jeder Menge Clubs und Parties – doch außerhalb der Nächte und der eigenen vier Wände bleiben Russlands Schwule und Lesben lieber ungeoutet unter sich.

Lasarew kritisiert „Homo-Propaganda“-Gesetz und mag seine schwulen Fans

Denn in der Öffentlichkeit Händchen zu halten kann teuer kommen: Das Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ verbietet es, Homosexualität positiv zu thematisieren, wenn Kinder oder Jugendliche es mitbekommen könnten. Zu den inländischen Kritikern dieses Gesetzes zählt übrigens auch Sergey Lazarew. Er hat sich schon in den letzten Jahren mehrmals gegen das Gesetz ausgesprochen.

Überhaupt scheint Sergey Lazarew eine bestimmte Affinität zu seinen schwulen Fans zu haben: „Ich schätze mein schwules Publikum wirklich“, sagte er in einem Interview mit dem schwedischen Schwulenmagazin QX – um dann eilig hinzuzufügen: „oder all mein Publikum, das mich und meine Songs mag“.

In Russland ist er auch wiederholt in Schwulenclubs aufgetreten. Im Jahr 2008 sang er auf der Birmingham Pride. Bei einer Einladung würde er auch beim Stockholm Pride singen, verriet er QX: „Ich sehe mich wirklich als eine gayfriendly Person“, so Lazarew.