Weil sie eine Frau geheiratet hat: Desmond Tutus Tochter vom Priesteramt zurückgetreten

"Besser freiwillig niederlegen als gezwungen zu werden"

Mpho und Marceline Tutu-van Furth
privat

Mpho Tutu-van Furth, Tochter von Friedensnobelpreisträger Desmont Tutu, ist von ihrem Amt als Priesterin der Anglikanischen Kirche Südafrikas zurückgetreten. Das hat sie am Montag bekanntgegeben. Ein Bischof der Kirche haben demnach gedroht, ihr ihre Priesterbefugnis zu entziehen, da sie Ende letzten Jahres ihre langjährige Freundin Marceline van Furth geheiratet hat. „Ich habe ihm angeboten, dass ich mein Amt freiwillig niederlege. Noch immer besser als gezwungen zu werden“, erklärte Tutu-van Furth der südafrikanischen „City Press“.

Erst im Jänner hatte die Anglikanische Gemeinschaft, der größte Zusammenschluss anglikanischer Kirchen, bei einem Treffen im englischen Canterbury beschlossen, gleichgeschlechtliche Ehen nicht anzuerkennen. Die Episkopalkirche als US-Zweig der Anglikaner wurde in diesem Zusammenhang sanktioniert, weil sie Lesben und Schwule gleichbehandelt.

„Früher war Unterschiedlichkeit in Südafrika nicht akzeptabel, heute ist es Gleichheit“

Tutu-van Furth sagte, für sie als Südafrikanerin sei ihr Rücktritt „ironisch“: Während der Apartheid sei die Unterschiedlichkeit eines Paares als inakzeptabel angesehen worden, „heute ist es unsere Gleichheit, die für Aufregung sorgt. Wir sind beide Frauen.“ Sie wurde im Jahr 2003 in den Vereinigten Staaten zur anglikanischen Priesterin geweiht.

Dass Tutu-van Furth ihr Priesteramt zurücklegen musste, sorgt auch innerhalb der südafrikanischen Anglikaner nicht nur für Zustimmung: Thabo Magkoba, Erzbischof von Kapstadt, sagte dem britischen Guardian: „Wir haben die tiefe Kluft, die die Apartheid-Politik hinterlassen hat, und die Frage, ob Frauen das Priesteramt ausführen dürfen, überwunden. Wir können dasselbe auch mit der gleichgeschlechtlichen Ehe tun.“ Eine Entscheidung darüber soll noch dieses Jahr fallen.

Anerkannte Aktivistin gegen Armut und Homophobie

Neben ihrem Kirchenamt engagiert sie sich als Aktivistin gegen Armut, Rassismus, Sexismus sowie Homo- und Transphobie. Außerdem ist sie im Vorstand der Global Aids Alliance der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aktiv. Ihr Engagement für die Ärmsten teilt sie mit ihrer Frau Marceline van Furth geheiratet, die als Professorin für Infektionskrankheiten an der Freien Universität von Amsterdam arbeitet.

Das Paar hatte Ende letzten Jahres im niederländischen Oegstgeest geheiratet. Anfang Mai hielt das Paar eine Hochzeitszeremonie in Südafrika ab, wo die Ehe nach einem Urteil des Höchstgerichts im Jahr 2006 ebenfalls für Lesben und Schwule geöffnet ist. Zur Zeit befinden sich die beiden Frauen auf Bali in den Flitterwochen.