Transgender in Dänemark für die Behörden künftig nicht mehr geisteskrank

Kopenhagen schafft ab 1. Jänner die offizielle Klassifikation ab

Dänische Flagge
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Transgender sollen in Dänemark künftig nicht mehr als geisteskrank eingestuft werden. Das hat der Gesundheitsausschuss des Parlaments in Kopenhagen entschieden. „Es ist vollkommen unangemessen, es eine Krankheit zu nennen“, erklärte der Vizevorsitzende des Ausschusses, der Sozialdemokrat Flemming Møller Mortensen: „Die Transgender-Community in Dänemark hat seit Langem den Wunsch geäußert, dass dieses Gesetz gekippt wird.“

Dänemark folgt dem französischen Beispiel

Mit 1. Jänner 2017 soll somit die Klassifizierung in Dänemark abgeschafft sein. Damit folgt Kopenhagen dem Beispiel Frankreichs: Dort darf Transsexualität bereits seit Mai 2009 nicht mehr als psychische Störung bezeichnet werden.

Mit dem Beschluss will Dänemark auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Umdenken zwingen: Derzeit stuft die WHO Transgender ebenfalls als psychisch krank ein. Sie will im Laufe dieses Jahres ebenfalls über eine entsprechende Änderung Klassifikationsliste beraten, die 2018 in einer überarbeiteten Version erscheinen soll.

Europarat empfiehlt seinen Mitgliedern ebenfalls die Streichung

Das Europaparlament hatte bereits 2011 die Europäische Kommission und die WHO aufgefordert, Störungen der Geschlechtsidentität von der Liste der psychischen und Verhaltensstörungen zu streichen. Eine Empfehlung, alle entsprechenden Einstufungen als geistige Störung in den nationalen Klassifikationen zu streichen, gab es im April auch durch eine Resolution des Europarats.

Applaus kommt von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International: Sie bezeichnete die Entscheidung des Gesundheitsausschusses als „historisch“. Der Schritt sei ein starkes Beispiel für die Entstigmatisierung von Transgender. Dänemark werde so zu einem Vorbild für Trans-Rechte. Bereits seit 2014 ist es in Dänemark möglich, sein Geschlecht ohne entsprechendes medizinisches Gutachten anpassen zu lassen.