Vorstadtweiber und Tatort-Kommissar: FPÖ beklagt Homosexualität im ORF

Politiker-Fan: "Gen-Defekt öffentlich verherrlicht"

Nina Proll in
ORF

Homosexualität im Fernsehen scheint die FPÖ zu erregen: Nachdem FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache bereits in zwei Instanzen gegen die „Vorstadtweiber“ des ORF abgeblitzt ist, will er nun vor den Verwaltungsgerichtshof gehen. Und ein Schwechater FPÖ-Gemeinderat empört sich darüber, dass am Sonntag der schwule „Tatort“-Kommissar Robert Karow zur Primetime Sex hatte.

Strache betont in Beschwerde, nicht homosexuell zu sein

Was Strache empört war ein Dialog zwischen „Nicoletta“, gespielt von Nina Proll, und ihrem Friseur Francesco, gespielt von Xaver Hutter, über Homosexualität in der Politik. „In Deutschland der Westerwelle oder dieser Berliner Bürgermeister. Oder bei uns der Strache. Die sind doch alle schwul und stehen dazu“, philosophiert Nico.

Dieser Dialog hat Heinz-Christan Strache empört. Er sah sich als homosexuell dargestellt und klagte dagegen – er sieht durch di Passage seinen höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt, den Artikel 8 der Menschenrechtskonvention, das Mediengesetz und das ORF-Gesetz schützen. Er sei im Übrigen nicht homosexuell, was aber rechtlich nichts zur Sache tue, zitierte die Medienbehörde KommAustria die Beschwerde.

Zweiter Teil des Dialogs entkräftet den ersten

Doch sowohl vor der KommAustria als auch vor dem Bundesverwaltungsgericht blitzte Strache ab: Die Serie habe das aber gar nicht behauptet, entschieden beide Instanzen. Denn der Dialog geht noch weiter – mit der Gegenfrage: „Der Strache?“ Antwort: „Nein, den mein ich gar nicht. Der Kärntner da.“ – „Da kommen einige infrage.“ Und zu beurteilen sei die gesamte Passage, in der die erste Behauptung ja sofort verneint werde, betonen beide Instanzen.

Doch davon lässt sich Strache nicht beeindrucken. Er klagt nun vor dem Verwaltungsgerichtshof. „Das Verfahren ist seit 25. Mai 2016 bei uns anhängig“, bestätigt Hans Peter Lehofer, Sprecher des Höchstgerichts, gegenüber dem „Standard“.

Entsprechender Teil war nie im Fernsehen zu sehen

Die Passage, über die sich Heinz-Christian Strache so aufregt, war übrigens am 9. Februar 2015 gar nicht im Fernsehen zu sehen. Der ORF hat sie vorher herausgeschnitten. Es wurde die „redaktionelle Entscheidung getroffen, um die Serie von innerösterreichischen Anspielungen frei zu halten und keine Namen real existierender Personen zu verwenden, die darüber hinaus für das Publikum des Koproduktionspartners ARD nicht verständlich sind“, so der ORF damals.

Die Entscheidung fiel „aufgrund des engen Zeitkorsetts“ erst knapp vor der Ausstrahlung, in der Untertitelung war die Passage noch vorhanden, da diese nach einem Rohschnitt der Folge hergestellt wurde.

Provinzfunktionär empört sich über schwulen „Tatort“-Sex

Und es ist nicht der einzige Fall, bei dem die FPÖ derzeit ein Problem mit schwulen Sex im ORF-Hauptabendprogramm hat: Wolfgang Zistler, seines Zeichens FPÖ-Gemeinderat in Schwechat bei Wien, empört sich über die am Sonntag ausgestrahlte „Tatort“-Folge aus Berlin. Denn dort ist deutlich zu sehen, wie Kommissar Robert Karow, gespielt von Mark Waschke, schwulen Sex hat.

„Penetrantes Aufdrängen von Homosexualität“

„Es wird immer widerlicher“, schreibt Zistler auf seiner Facebook-Page. Im Tatort gab es „eiine grausliche Sexszene mit zwei Männern. Überall dieses penetrante aufdrängen (sic!) von Homosexualität, das brauch ich wirklich nicht“, schreibt der Gemeinderat in dem öffentlich zugänglich gemachten Posting.

Zur Bebilderung des Falles hat Zistler einen Zeitungsartikel über den penetrierten Kommissar an sein Posting angehängt. Ob der Politiker den „Tatort“, über den er sich beschwert, vielleicht gar nicht gesehen hat, und nur durch den Zeitungsartikel auf den Empörungs-Zug aufspringt, wird aus dem Facebook-Posting nicht klar.

Kommentar: „Gen-Defekt verherrlicht“

Dafür funktioniert die Provokation bei den Facebook-Freunden von Wolfgang Zistler offenbar: „Kotz!!“, kommentiert einer, eine andere Userin nennt das Bild „eklig“ und regt sich auf, dass „auch Schulkinder“ die Bilder sehen können.

Ein dritter User schreibt, es „ekelt mich an, wenn man öffentlich einen Gen-Defekt verherrlicht“. Mäßigende Kommentare des FPÖ-Gemeinderats zu den Meldungen seiner Fans sucht man vergebens.

Der ORF-Kundendienst hat übrigens zu der von dem FPÖ-Politiker beanstandenden Szene keine einzige Beschwerde erhalten.