Sascha Lewandowski: Ermittlungen wegen Kindesmissbrauch vor Selbstmord

Ehemaliger Bundesliga-Trainer soll zwölfjährigen Rumänen im Auto gehabt haben

Sascha Lewandowski
Alexander Böhm/Wikimedia - CC BY-SA 4.0

Am Mittwoch wurde der deutsche Bundesliga-Trainer Sascha Lewandowski überraschend in seiner Wohnung in Bochum tot aufgefunden. Er hatte offenbar Selbstmord begangen. Nun bekommt der Fall eine neue Wende: Nach Recherchen der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ) wurde gegen den 44-Jährigen wegen Missbrauch eines zwölfjährigen Burschen ermittelt. Die Behörden wollten dazu keine Stellung nehmen. Für Lewandowski gilt die Unschuldsvermutung.

Das Drama rund um Sascha Lewandowski begann offenbar am letzten Freitag: Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, wurde er kurz vor Mitternacht im Dortmunder Bahnhofsviertel bei einer Verkehrskontrolle angehalten. Die Polizisten stellten fest, dass der ehemalige Bundesliga-Trainer 0,88 Promille Alkohol im Blut hatte.

Mit einem Buben im Auto im Bahnhofsviertel

Und er war offenbar nicht alleine im Auto: Nach Recherchen der WAZ, die sich auf „glaubwürdige Quellen“ beruft, befand sich im Auto auch ein zwölf Jahre alter Bub. Dieser soll, so die „Bild“-Zeitung, „rumänischer Herkunft“ gewesen sein. Die Polizisten vermuteten, auch aufgrund der Gegend, in der sich der ehemalige Bundesligatrainer befand, sexuellen Missbrauch und nahmen Lewandowski mit aufs Revier.

Zuvor soll die Polizei einen Bericht geschrieben haben, laut dem Zeugen einen Mann beobachtet hätten, der mit einem Burschen „im Gebüsch eines Grüngürtels an der Straße Oestermärsch im Dortmunder Norden verschwunden sei“, so „Bild“. Im Gebüsch hätten die alarmierten Beamten Taschentücher gefunden und sichergestellt.

Lewandowski war über Nacht in Polizei-Gewahrsam

Die Nacht von Freitag auf Samstag soll er im Gewahrsam verbracht haben. Nach Informationen von Sat.1 Regional Nordrhein-Westfahlen hat die Polizei seine Kleidung sichergestellt, der Ex-Trainer sowie der Bursche wurden ärztlich untersucht und erkennungsdienstlich behandelt. Lewandowski Handy wurde beschlagnahmt. Nach Informationen von Sat.1 NRW wurde er außerdem stundenlang verhört.

Nach einigen Stunden kam Sascha Lewandowski wieder frei. Die Beweislage gegen Lewansowski dürfte nicht eindeutig gewesen sein: Denn im Normalfall beantragt die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl, wenn es um sexuellen Missbrauch von Kindern unter 14 Jahren geht. Doch im Polizeiprotokoll heißt es nach Informationen von Sat.1 NRW: „Es besteht der Verdacht auf weitere Delikte“.

Zunächst Streit zu Hause, dann der Schlussstrich

Doch nach Informationen der WAZ hatte er nach diesem Vorfall Streit mit seiner Freundin – und verbrachte die Nacht von Samstag auf Sonntag im Hotel. Seine Freundin, eine Sportreporterin, reiste danach beruflich ins Ausland. Sascha Lewandowski kam in seine Bochumer Wohnung zurück, schrieb einen Abschiedsbrief und sein Testament. Dann beging er nach bisherigem Stand der Informationen Selbstmord.

Eine Bestätigung der Polizei, ob sich die letzten Stunden von Sascha Lewandowski so abgespielt haben, gibt es nicht. Man müsse erst einmal ermitteln, ob Lewandowski tatsächlich durch Selbstmord aus dem Leben schied, so Staatsanwalt Andreas Bachmann zur WAZ. Die Staatsanwaltschaft Bochum hat beim Amtsgericht eine Obduktion der Leiche beantragt, die voraussichtlich kommende Woche stattfinden wird.

Ob die Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen Sascha Lewandowski jemals aufgeklärt werden, ist fraglich: Denn gegen Tote wird nicht mehr ermittelt.