Warum Fendi plötzlich die „Roma Pride“ unterstützt

Ein Anwaltsbrief des Modelabels wurde zum Bumerang

Plakate der Roma Pride
Roma Pride/Facebook

Mit Anlauf ins Fettnäpfchen hat sich die italienische Modemarke „Fendi“ gesetzt: Weil die Plakate für die am Samstag stattfindende „Roma Pride“ vor dem Firmensitz fotografiert wurden, droht Fendi den Organisatoren mit rechtlichen Schritten. Nach heftiger Kritik zieht das Edel-Label nun kleinlaut den Schwanz ein.

Die diesjährige Kampagne der „Roma Pride“ zeigt Lesben, Schwule, Transgender und Drag Queens vor dem „Palazzo della Civiltà Italiana“. Dazu das Motto der Veranstaltung: „Chi non si accontenta, lotta” – Wer nicht zufrieden ist, kämpft.

Keine Pride-Poster mit der Fendi-Firmenzentrale?

Das 1942 von den italienischen Faschisten errichtete Gebäude war in den letzten Jahrzehnten eine beliebte Filmkulisse, unter anderem für Regisseure wie Frederico Fellini, Peter Greenaway und Werbespots für Nike. Noch heute wird es für rechte Propaganda benutzt – ein Effekt, den die Aktivisten der „Roma Pride“ bewusst konterkarieren wollten.

Seit 2015 hat der „Palazzo della Civiltà Italiana“ noch eine andere Bestimmung: Er ist der Hauptsitz des Edel-Labels Fendi. Dessen Anwalt erklärte den Veranstaltern vor einigen Tagen, die Abbildung des Palazzo sei von Fendi als „Lizenznehmer” des Gebäudes „nie autorisiert” worden.

Faschisten-Palast sei ein „anerkanntes Symbol“ für Rom, so die Veranstalter

Fendi halte die Kampagne der LGBT-Aktivisten für „geschäftsschädigend“ und droht mit rechtlichen Schritten, wenn die Organisatoren nicht sofort das gesamte Werbematerial, auf dem der Palazzo zu sehen ist, vernichten und die entsprechenden Motive aus dem Internet löschen. Eine rechtlich fragwürdige Forderung: Denn Eigentümer des Palazzo sind der italienische Staat und die Stadt Rom.

Bei der „Roma Pride“ ließ man sich nicht einschüchtern: Der „Palazzo della Civiltà Italiana“ sei ein öffentliches und „internationales anerkanntes” Symbol für Rom und deshalb als Motiv ausgewählt worden, erklärt ein Vertreter der LGBT-Organisation „Circolo di Cultura Omosessuale Mario Mieli“, einer der Veranstalter der „Roma Pride“.

Fendi rudert im letzten Moment zurück – und sympathisiert mit der Community

Im Internet hat sich der Protest der Community gegen Fendi formiert: Neben Kritik auf der Facebook-Seite des Unternehmens etabliert sich auf Twitter der Hashtag „#ofFENDIng“. Nachdem auch die britische Zeitung „The Guardian“ bei Fendi in der Sache nachgefragt hat, ruderte das Modelabel zurück – und gab gemeinsam mit der „Roma Pride“ eine Presseerklärung heraus.

Dort heißt es: „Fendi hat die Missverständnisse mit ‚Roma Pride‘ über die Verwendung des Palazzo della Civiltà Italiana in der Kampagne aus dem Weg geräumt und unterstützt deshalb die Roma Pride 2016 Demonstration. Man sei „der gesamten LGBTQI-Community“ verpflichtet, so Fendi weiter.