Orlando: Polizeichef bestätigt „etwa 20“ Tote bei Angriff auf Schwulenclub

Täter sei "organisiert und gut vorbereitet" gewesen

Vor dem
Polizei Orlando

Etwa 20 Tote und mehr als 40 Verletzte gab es bei einem Überfall auf einen Schwulenclub in Orlando im US-Bundesstaat Florida. Der Täter, der sich bis zum Schluss im Club aufhielt, wurde in einem Gefecht mit der Polizei erschossen. Ob es weitere Täter gibt, ist noch nicht endgültig geklärt. Der Sheriff von Orange County, Jerry Demings, hat bestätigt, dass die Tat als Inlands-Terrorismus eingestuft wird. Das FBI hat sich in die Ermittlungen eingeschaltet.

Täter war gut vorbereitet, als er den Club stürmte

Der Angriff auf das „Pulse“, einen beliebten Club in Orlando, begann in der Nacht auf Sonntag gegen 2.00 Uhr Ortszeit (8.00 MESZ). Wie ein Zeuge dem Journalisten Stewart Moore vom lokalen TV-Sender WESH 2 berichtet hat, haben der oder die Täter den Club gestürmt und in die Menge geschossen.

Die Besucher gingen in Deckung – dann soll jemand gesagt haben, dass alles nur ein Scherz war und sie ihre Deckung verlassen könnten, auch Musik war zu hören. Doch die kam nicht vom DJ – und als die Gäste die Deckung verließen, wurde erneut auf sie geschossen.

„Die Menschen auf der Tanzfläche und bei der Bar sind auf den Boden gesackt, und einige von uns, die in der Nähe der Bar und dem Hinterausgang waren, haben es geschafft, über das Freigelände rauszukommen – wir sind nur gerannt“, erinnert sich Ricardo Negron Almodovar, einer der Besucher, auf Facebook, an den Angriff.

Polizei stürmte Club, um verletzte Geiseln zu retten

„Die Schüsse hörten sich nicht an wie von einer normalen Pistole, es hat sich angehört, als ob ununterbrochen geschossen wurde und es nicht aufhörte“, so sich Anthony Torres, nach eigenen Angaben ein Gast des Clubs, auf Facebook. Ein Opfer musste sich nach Informationen von Moore mehr als zwei Stunden lang mit einer Schussverletzung im Arm auf der Toilette verbarrikadieren.

Um die Verletzten zu retten, entschied sich die Polizei kurz vor 5.00 Uhr Ortszeit, den Club zu stürmen. Bei dem Angriff kam der Täter ums Leben. Ein Polizist wurde bei dem Einsatz verletzt. Nach Angaben der Polizei hatte der Täter zwei Waffen und „ein Gerät“ bei sich, das nicht näher beschrieben wurde, aber eine Bombe gewesen sein könnte. Der Angreifer kam nicht aus Florida und war nach Angaben der Behörden „organisiert und gut vorbereitet“. Weitere Informationen zu seiner Identität gaben die Behörden noch nicht bekannt.

Zu wenig Rettungswagen für die Verletzten

Die Rettung der Verletzten erforderte von allen Beteiligten Höchstleistungen: Verletzte werden auf Tragen aus dem Club gezogen, vor Ort sind dutzende Rettungswagen zu sehen. Da es in der Gegend nicht genügend Rettungswagen gab, benutzten die Behörden deshalb auch Privatautos und Streifenwagen, um die Verletzten ins Krankenhaus zu bringen. Insgesamt wurden mehr als 40 Verletzte in drei umliegende Krankenhäuser gebracht, bestätigte der Polizeichef von Orlando, John Mina. Ungefähr 30 Gäste konnten unverletzt in Sicherheit gebracht werden.

Auch die Besucher des „Pulse“ halfen den Verletzten: Wie Rosie Feba, eine der Besucherinnen, dem „Orlando Sentinel“ berichtet, konnte sie mit ihrer Freundin aus dem Club rennen, auf dem Weg habe das Paar einen angeschossenen Mann gesehen und nach draußen gebracht.

Gab es einen zweiten Täter? Einige Fragen sind noch offen

Zur Zeit durchsucht die Polizei das „Pulse“ nach weiteren Bomben, die der Täter in dem Nachtclub hinterlassen haben könnte. Fraglich ist auch, ob es einen Mittäter gab: Zeugen im Nachtclub sprechen von zwei Schützen. Auch haben Hundeführer in schwerer Ausrüstung das Gebiet rund um das nahe gelegene Orlando Regional Medical Center (ORMC), in das die meisten Opfer der Schießerei gebracht wurden, durchsucht.

Die Polizei von Orlando und das FBI bitten alle Zeugen, sich bei den Behörden zu melden. Jede Beobachtung könnte für die Ermittlungen wichtig sein, so Special Agent Danny Banks.