„Unser Herz ist schwer“ – Die internationalen Reaktionen zu Orlando

Trauerbekundungen aus aller Welt für die Terroropfer in Florida

„Wir stehen den Bewohnern von Orlando, die einen schrecklichen Angriff auf ihre Stadt ertragen mussten, bei“, sagte US-Präsident Barack Obama bei einer Pressekonferenz nach den Angriffen auf eine Schwulenbar durch einen Terroristen, bei dem mindestens 50 Menschen ums Leben kamen.

„Das hätte jede unserer Städte sein können“, machte der US-Präsident klar. Er nannte den Angriff einen „Akt des Terrors“ und „Akt des Hasses“. Den Opfern und Angehörigen sprach er sein Beileid aus. Gleichzeitig verwies er einmal mehr darauf, wie leicht es für Angreifer sei, sich in den USA eine Waffe zu besorgen, um Unschuldige in Schulen, Kirchen und Kinos zu töten. „Wir müssen entscheiden, ob das das Land ist, in dem wir leben wollen.“

Franziskus: „Neue Manifestation tödlichen Wahnsinns und unsinnigen Hasses“

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon drückte den Angehörigen und Hinterbliebenen des Attentats von Orlando sein Beileid aus. Er versicherte der Regierung der Vereinigten Staaten und den Menschen in den USA seine Solidarität.

Papst Franziskus bezeichnete den Anschlag auf einen Schwulenclub in Florida als „neue Manifestation tödlichen Wahnsinns und unsinnigen Hasses“. Er bete für die Familien der Opfer und Verletzten dieser „entsetzlichen und absurden Gewalt“.

Der österreichische Bundeskanzler Christian Kern postete auf der offiziellen Facebook-Seite des Bundeskanzleramtes das Stadtwappen von Orlando mit der offiziellen Trauer-Schleife, die auch die Regenbogenflagge beinhaltet. Auf seiner persönlichen Fan-Seite teilte der Kanzler dieses Bild.

Angela Merkel: „Hass und die Bösartigkeit eines einzelnen Menschen kostete über 50 Leben“

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte bei einer Pressekonferenz mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang: „Unser Herz ist schwer, dass der Hass und die Bösartigkeit eines einzelnen Menschen über 50 Leben gekostet hat.“ Deutschland werde auch nach dem Anschlag unbeirrt sein „offenes und tolerantes Leben“ fortsetzen. Dass das Ziel des Anschlages ein Schwulenclub war, verschwieg Merkel.

Der englische Premierminister David Cameron twitterte, er sei „erschüttert über die Berichte“ aus Orlando. Seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Familien. Auch die Queen drückte auf Twitter ihr Beileid aus: „Prinz Philip und ich sind bestürzt über die Ereignisse in Orlando. Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Betroffenen“, schrieb Elizabeth II. im Kurznachrichtendienst.

Auch Hollande und Putin bekunden ihr Beileid

Der französische Präsident François Hollande sicherte die volle Unterstützung Frankreichs und der Franzosen für die US-Amerikaner „in dieser schweren Bewährungsprobe“ zu. Auch der russische Präsident Wladimir Putin nannte die Schießerei in Orlando ein „barbarisches Verbrechen“. Russland teile Schmerz und Trauer, erklärte der Kremlchef in einem in Moskau veröffentlichten Telegramm an seinen US-Kollegen Barack Obama.

Hillary Clinton, Demokratische Kandidatin für die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten, kommentierte den Anschlag auf das „Pulse“ in Orlando in einem langen Facebook-Eintrag, der auf Deutsch und Spanisch erschien. Darin macht sie klar:, die LGBT-Community in den USA soll wissen, „dass sie Millionen Verbündete in unserem Land haben. Ich bin einer davon. Wir alle werden gemeinsam weiter für ihr Recht kämpfen, frei, offen und ohne Angst zu leben. Hass hat keinen Platz in Amerika.“

Donald Trump freut sich, dass er recht hatte

Pietätlos war hingegen die Reaktion von Donald Trump, der voraussichtlich für die Republikaner in die US-Präsidentschaftswahl geht. In einem ersten Tweet schrieb er, er freue sich „über die Glückwünsche dafür, dass ich recht hatte, was den radikalen, islamischen Terrorismus betrifft.“ Das war auch vielen Republikanern zu viel: Meghan McCain, die Tochter des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten John McCain und Fürsprecherin von LGBTI innerhalb Republikaner, antwortete: „Sie beglückwünschen sich selbst, weil heute Morgen 50 Menschen bei einer schrecklichen Tragödie gestorben sind?”

Danach forderte Trump den amtierenden Präsidenten Barack Obama zum Rücktritt auf: „In seinen heutigen Bemerkungen hat Obama sich schändlicherweise geweigert, die Wörter ‚radikaler Islam‘ zu benutzen“, heißt es in einer Stellungnahme des Trump-Teams. „Allein aus diesem Grund sollte er zurücktreten.“

Volker Beck kritisiert Debatten nach dem Massaker

Volker Beck, offen schwuler Bundestagsabgeordneter der deutschen Grünen und religionspolitischer Sprecher seiner Fraktion, kritisierte die Debatten nach dem Massaker: „Es verwundert etwas, wenn in der Berichterstattung der homophobe Hintergrund der Tat als Alternative zum islamistischen oder terroristischen Hintergrund der Tat diskutiert wird“, ärgert sich Beck. Homophobie sei integraler Bestandteil des Islamismus.

Mit mehr als 100 Opfern, die getötet oder verletzt wurden, Angriff gilt als größter in der jüngsten amerikanischen Geschichte. Der 29-jährige Omar Marteen, ein Sympathisant der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), hat in der Nacht von Samstag auf Sonntag gegen 2.00 Uhr Ortszeit den Schwulenclub „Pulse“ mit zwei legal gekauften Waffen, einem Sturmgewehr vom Typ AR-15 und einer Pistole, gestürmt. Er wurde beim Stürmen des Lokals durch die Polizei erschossen.