Küssende Frauen an der Universität Wien von Security ermahnt

"Unpassendes Verhalten in der Öffentlichkeit" oder "Feindlichkeit gegenüber LGBTQIA-Personen"?

Universität Wien
Alex Schuppich/Uni Wien

An der Universität Wien sind zwei Frauen, die sich am Eingangsbereich geküsst haben, von einer Security-Mitarbeiterin aufgefordert worden, den Austausch der Zärtlichkeiten zu unterlassen. Die Hochschülerschaft (ÖH) an der Uni Wien protestiert dagegen. Die Universität weist die Kritik von sich.

Den Schilderungen der Betroffenen zufolge hat die Security-Mitarbeiterin ihre Aufforderung damit begründet, dass sie sich in einem öffentlichen Raum befänden, „es ja nicht sexy ausschaut“ und die Portiere „das auch nicht mehr sehen wollen“.

„Es war keine wilde Rumschmuserei“

Dem „Kurier“ gegenüber beschreibt Lena Köhler, Mitglied in der ÖH-Bundesvertretung, wie ihr die beiden Frauen – Moni und Mary (Namen von der Redaktion geändert) – den Vorfall geschildert haben: „Wir haben uns ein paar Tage nicht gesehen und ich wollte sie überraschen“, sagt Mary. Ihre Freundin habe geweint, deshalb hätten sich die beiden lange umarmt: „Wir sind auch umarmt da gesessen, Moni hat in meine Schulter geweint“, sagt Mary.

Deshalb habe die Frau vom Sicherheitsdienst auch zuerst gefragt, ob alles in Ordnung sei. Als Mary bejahte, soll die Mitarbeiterin das Paar gebeten haben, zu gehen. „Wir haben uns nur kurz geküsst, es war keine wilde Rumschmuserei, wir sind nicht am Boden gelegen“, betont Mary.

Die Kommentare der Security-Mitarbeiterin seien „an Widerlichkeit kaum zu überbieten“, so auch die ÖH in einer Aussendung, „unterstellen sie doch, dass Frauen sich nur küssen dürften, wenn sich Andere dadurch sexuell angezogen fühlen“.

Universität beschreibt Verhalten der Frauen als „auffällig und unpassend“

Die Universität Wien gibt der Security-Mitarbeiterin allerdings Rückendeckung: Es hat sich bei dem Kuss nach Einschätzung der Sicherheits-Fachkraft „um unpassendes Verhalten in der Öffentlichkeit“ gehandelt, betont die Universität auf Twitter.

Die Mitarbeiter am Empfang der Uni haben die Situation, berichtet das Magazin „Vice“, offenbar „ein wenig extremer wahrgenommen“. Das Verhalten der beiden Frauen sei von mehreren Mitarbeitern als „auffällig und unpassend für die Öffentlichkeit“ beurteilt worden, erklärt Cornelia Blum, Sprecherin des Rektorats, gegenüber dem „Kurier“. Und sie betont: „Mit dem Geschlecht hat das rein gar nichts zu tun.“

Hochschülerschaft sieht „Feindlichkeit gegenüber LGBTQIA-Personen“ bei der Universität

Für das Vorsitzteam der Hochschülerschaft an der Uni Wien zeigt der Fall, dass es „großen Handlungsbedarf“ gebe. Dass die Universität rund um die Vienna Pride die Regenbogenflagge hisse und spezielle Führungen für Lesben und Schwule anbietet, reicht der ÖH hier nicht: „Eine einzelne symbolische Geste im Jahr“ beende „die Feindlichkeit gegenüber LGBTQIA-Personen noch lange nicht“, so das ÖH-Vorsitzteam in seiner Aussendung.

Die ÖH der Uni Wien ruft deshalb selbst zu einer symbolischen Geste auf: „Küssen gegen Homofeindlichkeit“ am Mittwoch, den 22. Juni, um 12.00 Uhr vor dem Hauptgebäude der Universität Wien.