Junge CSU stimmt über ihre Position zur Ehe-Öffnung ab

Sonder-Landesversammlung soll klären, wie die Partei zu homosexuellen Beziehungen steht

In Bayern sucht die CSU erneut ihre Position zu Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender: Während die Münchner Stadtpartei dieses Jahr zum ersten Mal auf dem CSD mit einem eigenen Wagen vertreten ist, möchte die Junge Union (JU) dieses Thema nun bei einer überraschend einberufenen Sonder-Landesversammlung klären. Diese findet morgen in Nürnberg statt.

Grund sind Konflikte, die es offenbar rund um die Erstellung neuer Grundsatzprogramme gibt. In den Städten möchte man die Partei in diese Richtung öffnen und kann sich auch vorstellen, das Ehe-Verbot für gleichgeschlechtliche Paare zu überdenken. Außerhalb der Großstädte sorgt das für Misstrauen: Man hat Angst, ob zu viele vertraute Werte und Positionen aufgegeben würden.

Geheime Abstimmung als Ende der Debatte?

Nun will Hans Reichhart, Vorsitzender der Jungen Union in Bayern, dieses Thema abschließend geklärt haben: Wie das Oberbayerische Volksblatt (OVB) berichtet, können die 341 Delegierten der Sonder-Landesversammlung morgen in geheimer Wahl zwischen drei Varianten wählen, die den Umgang der CSU-Jugendorganisation zu sexuellen Minderheiten klären sollen.

Die erste Variante: Ein Festhalten an der derzeitigen Position, eine Ehe nur zwischen Mann und Frau zu ermöglichen. Etwas offener klingt die zweite Variante: Hier soll die JU „die Leistung und Verantwortung füreinander in homosexuellen Partnerschaften“ anerkennen. Am weitesten geht der dritte Vorschlag, eine vollständige Öffnung von Ehe und Adoptionsrecht.

Verschiedene Meinungen über Ehe-Öffnung in der CSU

Der Ausgang der Abstimmung ist offen, für alle Positionen gibt es innerhalb der CSU prominente Fürsprecher. Der Münchner CSU-Bundestagsabgeordnete Bernd Fabritius, der selbst offen schwul ist, sagte letztes Jahr, beim Adoptionsrecht gehe es „um das Recht der Kinder auf die besten Eltern – das können im Einzelfall auch gleichgeschlechtliche Paare sein“.

Eine Position, auf die sich Markus Blume nicht festlegen will: Der 41-Jährige leitet die Grundsatzkommission der CSU. In seinen Entwürfen zu einem neuen Programm seiner Partei heißt es derzeit: „Wir schätzen und fördern, wenn Menschen füreinander einstehen und verlässlich Verantwortung und Sorge füreinander übernehmen“, der Staat müsse „allen familiären Situationen gerecht werden“.

Der Staat dürfe keine Form der Familie ausgrenzen – „er darf aber auch nicht das von der überwiegenden Mehrzahl der Menschen gelebte Modell der traditionellen Familie mit der Gemeinschaft von Mutter, Vater, Kindern ins Hintertreffen geraten lassen“. Die Ehe bleibt in den derzeitigen Entwürfen dann doch Mann und Frau vorbehalten.