Massaker in mexikanischer Schwulenbar: Bis zu 15 Tote

Polizei stufte Anschlag zunächst als Abrechnung zwischen rivalisierenden Drogenbanden ein

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Mit einem Monat Verspätung kommt nun ein Anschlag auf einen schwulenfreundlichen Nachtclub in Mexiko weltweit an die Öffentlichkeit: Im Morgengrauen des 22. Mai stießen drei Männer die Tür ins vollbesetzte „La Madame“ in Xalapa im Bundesstaat Veracruz auf und schossen in die Menge. Wie viele den Anschlag nicht überlebt haben, ist unklar: Die Zahl der Todesopfer schwankt in den Berichten zwischen fünf und 15. Mindestens zwölf Gäste wurden verletzt.

Zu wenig Notärzte für die Verletzten

Die Polizei fand 37 Hülsen, die von einer AK-47 und einer AR-15 stammten. Das AR-15, ein automatisches Gewehr, wurde auch beim Terroranschlag in Orlando eingesetzt.

Ein Notarzt, der zum Tatort gerufen wurde, spricht sogar von noch mehr Toten. Medienberichten zufolge war die Zahl der Opfer so hoch, dass die Krankenwagen Probleme hatten, Krankenhäuser zu finden, die noch freie Plätze für die Verletzten hatten.

„Die weißen Kacheln waren rot vor Blut“

Eines der Opfer ist Luis Donaldo Rivera Calderon, ein Student und erfolgreicher Athlet. Er war mit seinem Onkel in der Bar, als die Schüsse fielen. Dem Nachrichtenportal „Sin Embargo“ beschreibt der Onkel, der die Tat überlebt hat, das „La Madama“ nach der Tat als „Schlachthaus“: „Sie hatten kein Mitleid. Die weißen Kacheln waren rot vor Blut. Wer weglaufen wollte, rutschte in Blutlachen aus“, erinnert er sich.

Luis war auf Besuch in seiner Heimatstadt. „Unser Traum war es, dass er Rechtsanwalt wird, dass wir ihn mit einem Abschluss und einem Job wiedersehen. Jetzt ist er zurückgekommen – aber tot. Das haben wir nicht gewollt.“

„Alles, woran ich mich erinnere, ist, dass ich Schüsse gehört habe“, beschreibt Samantha, die ebenfalls im Lokal war, der Webseite „Noventagrados“ den Moment des Angriffs. „Menschen sind zu Boden gefallen, ich habe mich auf den Boden geworfen und bin zu den Toiletten gekrochen.  Nach ein paar Minuten bin ich hinausgegangen und habe all diese Leute in einem See voll Blut gesehen. Es war ein Alptraum.“

Offiziell: Fehde zweier Drogenbanden – und kein Hassverbrechen

Warum diese Tat erst jetzt international Schlagzeilen macht, hat mehrere Gründe: Zunächst verschwiegen die Behörden, dass Homophobie ein Grund für das Attentat sein könnte – offiziell handelte es sich um eine Abrechnung zwischen Drogenbanden, wie sie in Veracruz weit verbreitet ist.

Doch gegen diese offizielle Darstellung wehren sich mexikanische LGBT-Aktivisten: Sie protestieren gegen die Darstellung der Regierung, den homophoben Aspekt des Angriffs zu verschleiern. Denn in Mexiko ist Gewalt gegen sexuelle Minderheiten alltäglich. Nach Angaben der Aktivisten ist die Zahl der LGBT-Todesopfer in letzter Zeit sogar angestiegen.

Wurde das Geständnis von der Polizei unter Folter erpresst?

Die Suche nach den Tätern verläuft – wie so oft in Mexiko – nicht sehr vielversprechend. Zwar wurde am Tag nach der Schießerei der 20-jährige Gabriel Alfredo Martinez Godos verhaftet, und er hat die Tat auch gestanden. Doch seine Familie behauptet, die Polizei habe das Geständnis unter Folter erpresst.

So sollen die Beamten Godos gedroht haben, ihn und seine Familie zu töten, wenn er nicht gestehe: „Mein Sohn hat überall blaue Flecken, sie haben ihn oft geschlagen und ihm psychologisch geschadet, damit er sich zu all diesen Toten schuldig bekennt“, sagt seine Mutter, Rosalba Godos Gomez, einem mexikanischen Blog.