Terroranschlag gegen „Trans Pride“ in Istanbul vereitelt?

Drei IS-Sympathisanten sollen geplant haben, die Demonstration anzugreifen

Istanbul
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Die türkischen Behörden haben drei mutmaßliche Sympathisanten der Terror-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) verhaftet, die einen Angriff auf den „Trans Pride“ in Istanbul geplant haben sollen. Das berichten türkische Medien. Der Marsch wurde von den Behörden verboten, es kam zu Ausschreitungen.

Wie lokale Medien weiters berichten, handelt es sich bei den mutmaßlichen Sympathisanten um einen türkischen Staatsbürger und zwei Männer aus der russischen Kaukasusrepublik Dagestan. Sie sind derzeit in Gewahrsam des zuständigen Gerichts in Istanbul.

Bei Razzia wurden Sprengstoffwesten gefunden

Die Polizei soll die Männer bereits letzte Woche, also vor der Parade, als Reaktion auf Erkenntnisse des türkischen Geheimdienstes festgenommen haben, wonach die Gruppe einen Anschlag auf den Marsch geplant hat, der am 19. Juni geplant war.

Bei Hausdurchsuchungen in Pendik und Başakşehir, zwei Vororten der Millionenmetropole Istanbul, sollen unter anderem Sprengstoffwesten, militärische Tarnkleidung und Messer gefunden worden sein. Auch weitere Verbindungen zur Terrormiliz IS sollen von der Polizei sichergestellt worden sein.

Gouverneur hatte Marsch aus Sicherheitsgründen verboten

Damit gibt es nun eine amtliche Rechtfertigung für das Verbot des LGBT-Marsches in der Innenstadt von Istanbul. Vasip Şahin, Gouverneur von Istanbul und Mitglied der Erdoğan-Partei AKP, hatte den Marsch aus Sicherheitsgründen verboten. Gegen Teilnehmer, die sich trotzdem versammelten, gingen Polizisten unter anderem mit Wasserwerfern, Gummigeschossen und Tränengas vor.

Deshalb ist es auch fraglich, ob die Verhafteten tatsächlich einen Anschlag auf die Parade verüben wollten: Eine öffentliche Drohung gab es nur von der Jugendorganisation der rechtsextremen islamistisch-nationalistischen Partei BBP.

Das Klima gegenüber LGBT in der Türkei hat sich verschärft: Vor zwei Jahren war die Durchführung des „Marsch des Stolzes“, der LGBT-Marsch zum Abschluss der Pride Week noch kein Problem: Rund 100.000 Teilnehmer marschierten für die Rechte sexueller Minderheiten. Doch dann verbot die Stadtverwaltung die Parade im letzten Jahr unter Berufung auf den Ramadan. Bei LGBT-Themen gilt die Türkei als sehr konservativ.