Fußball-EM: Schwulem Fan wurde Stadion-Zutritt mit Regenbogenflagge verwehrt

Trotz Orlando und dem Kampf gegen Homophobie: UEFA will im Stadion "keine politischen Statements"

Christoph Krottmayer mit Freunden und Flagge
privat

Auf ihrer Homepage macht der europäische Fußballbund UEFA klar: Homophobie hat im europäischen Fußball keinen Platz. Doch bei der Europameisterschaft in Frankreich zeigt sich: In der Praxis dürften das nur leere Worte sein.

Das zeigte sich gestern vor dem Spiel Island gegen Österreich im Stade de France bei Paris. Christoph Krottmayer, ein schwuler Fußballfan, hatte Karten für das Match und wollte Österreich mit seinen heterosexuellen Freunden unterstützen. Mit im Gepäck: Eine Regenbogenflagge.

Trotz Unterstützung von Polizisten: Flagge musste draußen bleiben

Christoph Krottmayer mit Freunden und Flagge
Christoph Krottmayer mit Freunden und der Regenbogenflagge vor dem Stade de France (Foto: privat)

Doch damit durfte er nicht ins Stadion: Der UEFA-Security hat ihn gestoppt, und dessen Chef hat Krottmayer nach einer Diskussion erklärt: Nur Flaggen europäischer Länder seien im Stadion erlaubt, politische Statements nicht. „Ich habe noch länger diskutiert, dass es hier um Sichtbarkeit geht und nicht um irgendwas Politisches. Aber es hat nichts geholfen“, erinnert sich der Fußballfan gegenüber GGG.at.

Und so konnte keine Regenbogenfahne beim Match Island gegen Österreich von der Zuschauertribüne des Stade de France wehen. Dabei bekam  Krottmayer sogar Unterstützung von den französischen Behörden: „Zwei Polizisten daneben haben mich unterstützt und gemeint, dass das ein gutes Zeichen nach Orlando ist“, erinnert er sich. Doch die UEFA-Securities blieben hart.

Offiziell ist auch die UEFA gegen Homophobe – wenn es ihr nützt

Dabei setzt sich die UEFA immer wieder gegen Homophobie im Fußball ein, zumindest offiziell – oder, wenn es um die eigene Kasse geht. Der FC Bayern München wurde beispielsweise im März 2014 zu einer Strafe von 10.000 Euro verurteilt, weil vier Fans aus Südtirol beim Champions-League-Match gegen Arsenal London ein homophobes Plakat im Stadion hochhielten. Auf einen Vorschlag des schwul-lesbischen Bayern-Fanclubs „Queerpass“, das Geld zweckgebunden als Spende für LGBT-Organisationen zu verwenden, reagierte die UEFA nicht.

Offiziell erklärt der europäische Fußballbund, er glaube, „die Kraft des Fußballs kann verwendet werden um Themen wie Rassismus, Homophobie, Diskriminierung gegen ethnische Minderheiten und institutionelle Diskriminierung wie die Unterrepräsentation von Frauen oder fehlende Diversität zu bekämpfen“.

Keine Stellungnahme des Fußballverbands

Dazu arbeitet die UEFA mit dem „FARE Network“ zusammen – und in dessen aktueller Leitlinie zu „diskriminierenden Zeichen und Symbolen“ während der Fußball-Europameisterschaft ist die Regenbogenflagge natürlich nicht enthalten.

Eine Stellungnahme der UEFA zum aktuellen Vorfall im Stade de France gibt es derzeit nicht – die Anfrage von GGG.at wurde vom europäischen Fußballverband noch nicht beantwortet.