Keine Zwischenfälle, 20.000 Teilnehmer bei Budapest Pride

Marsch durch die Innenstadt war ein voller Erfolg - auch für die österreichischen Vertreter

Budapest Pride 2016
Wolfgang Fischer

Ohne Zwischenfälle fand am Samstag die 21. Budapest Pride statt: Rund 20.000 Teilnehmer marschierten durch die ungarische Hauptstadt. Die Stimmung an diesem sonnigen Tag war fröhlich, Gegendemonstranten haben sich nicht zu Wort gemeldet. Österreich war bei dem Umzug prominent vertreten.

Unterstützung aus der Bevölkerung, Kontrollen durch die Polizei

Wie Journalisten vor Ort berichteten, gab es keine Beschimpfungen der Teilnehmer oder Pfeifkonzerte. Lediglich im Vorfeld hatte sich die rechtsextreme Jobbik-Partei gegen die Budapest Pride ausgesprochen. Doch die Budapester hörten nicht auf sie: Stattdessen schwenkten Menschen in den Häusern entlang der Route Regenbogenfahnen aus den Fenstern.

Trotzdem ging die ungarische Polizei kein Sicherheitsrisiko ein: Für die Teilnehmer gab es Taschenkontrollen. Zwischen den Teilnehmern des Umzugs und den Menschen, die sich das Spektakel auf der Straße ansehen, gab es einen breiten Sicherheits-Korridor. Nach der Parade wurde den ausländischen Teilnehmern gezeigt, auf welchen Straßen sie die Pride ohne Risiko verlassen konnten.

Kritik an Ministerpräsident Viktor Orban

Der Marsch begann beim Heldenplatz und ging mitten durch das Zentrum von Budapest über die Andrássy út, die Nagymező utca, die Bajcsy-Zsilinszky út und die Alkotmány utca zum Parlament an der Donau. Bei der Abschlussveranstaltung am Kossuth tér vor dem Parlament bedankte sich Cintia Karlik, Sprecher der Budapest Pride, bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dafür, dass die Haltung bewiesen und sich nicht der Angst gebeugt haben.

Er kritisierte unter anderem die Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orban dafür, dass sie sich weigert, die Ehe für schwule und lesbische Paare zu öffnen: Die Grundlage einer Familie sei nicht Mann und Frau, sondern Liebe und gegenseitiger Respekt, so Karlik. Die Polizei kritisierte er für die mangelnde Zusammenarbeit bei der Organisation der Budapest Pride.

Vertreter der Opposition marschierten mit

Unter den Teilnehmern waren auch Vertreter der ungarischen Opposition, zum Beispiel der Sozialisten (MSZP), der sozialliberalen „Demokratischen Koalition“ (DK), den Liberalen (MLP) und der Grünen (LMP). Auch LGBT-Gruppen aus sämtlichen Regionen Ungarns waren bei der Budapest Pride vertreten, zum Beispiel aus Pécs, Szeged, Debrecen, Kecskemét, Miskolc und dem Komitat Zala. Auch eine Vertreterin der US-Botschaft und der israelische Botschafter in Ungarn marschierten bei der Parade mit.

Budapest Pride 2016
Mr Bear Austria und Mr Leather Europe bei der Budapest Pride 2016 – Foto: Franz Preitler

Hingucker der Budapest Pride war aber eine Abordnung in Österreich, unter anderem bestehend aus dem amtierenden „Mister Leather Europe“, Thorsten Buhl, und Gabriel, dem frisch gewählten „Mister Bear Austria“. Sie waren mit ihren Begleitern eines der beliebtesten Fotomotive der Parade – wohl auch, weil sie als einzige in Fetisch an dem Umzug teilnahmen.

Budapest Pride: Vorreiter im ehemaligen Ostblock

Die Geschichte der Budapest Pride ist wechselhaft: Es war die erste Lesben- und Schwulenparade, die in den Ländern des ehemaligen Ostblocks abgehalten wurde. Nachdem die Parade jahrelang ohne Probleme stattgefunden hatte, gab es 2006 gewalttätige Zwischenfälle. Ab 2008 wurde sie nach dem Erstarken rechtsnationaler Kräfte massiv bedroht: So protestierten Neonazis 2009 vor dem Heldenplatz in Budapest gegen die Parade, die Polizei konnte gewaltsame Ausschreitungen verhindern.

In den Jahren 2008, 2011 und 2012 wurde die Budapest Pride polizeilich verboten, das Verbot wurde jeweils von Gerichten aufgehoben. In den letzten Jahren hat sich die Situation wieder normalisiert.