Charamsa: „Benedikt hat Homophobie in der Kirche verankert“

Auch Franziskus habe sich dem Thema "nicht einmal genähert"

Krzysztof Charamsa
Archivbild/YouTube

Kritik an dem Umgang der Päpste Benedikt und Franziskus mit dem Thema Homosexualität übt der ehemalige Vatikan-Insider Krzysztof Charamsa: In einem Interview mit der italienischen Zeitung „Libero“ meint er, Benedikt XVI. habe „die Homophobie in der katholischen Kirche verankert und mit einer entstellten und falschen Lehre versehen“.

Dem emeritierten Papst sei es nie gelungen, Vorurteile und Angst gegenüber der Homosexualität zu überwinden, so Charamsa. Gerade Benedikt XVI., der „alle intellektuellen Fähigkeiten hatte, um sich dieser Herausforderung zu stellen“, habe als Leiter der Glaubenskongregation die Gelegenheit dazu vertan.

Auch Franziskus ist in dieser Frage nicht so liberal, wie es scheint

Doch auch am jetzigen Papst übt Charamsa Kritik: Er habe sich „der Frage noch nicht einmal genähert“, ärgert sich der ehemalige Spitzenfunktionär des Vatikans. Seit Beginn seiner Amtszeit hat Franziskus für Aufregung gesorgt, weil er einen offensichtlich liberaleren Kurs gegenüber Homosexuellen einschlägt.

Doch dieser betrifft nur die Sünder, nicht die Sünde: Bei genauerem Hinsehen bleibt er theologisch auf der Linie seines Vorgängers: Homosexualität bleibt in der römisch-katholischen Kirche verboten, lediglich wegen seiner Veranlagung dürfe niemand diskriminiert werden. Die römisch-katholische Kirche führt auch weiterhin die Speerspitze gegen eine Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare an.

Wie viele Schwule gibt es im Vatikan wirklich?

Auf die Frage nach der Zahl schwuler Priester im Vatikan antwortete Krzysztof Charamsa: „Nach meiner Erfahrung würde ich sagen, 50 Prozent derer, die ich getroffen habe.“ Der Schwulenanteil in der Kurie sei „eines der am besten gehüteten Geheimnisse im Vatikan“, so der polnische Ex-Priester weiter.

Krzysztof Charamsa ist das bisher hochrangigste Mitglied des Vatikans, das sich als schwul geoutet hatte: Kurz vor der Familiensynode im Herbst 2015 hat er seine Beziehung zu einem Mann öffentlich gemacht. Daraufhin war er aus der Glaubenskongregation und dem Priesterstand entlassen worden. Inzwischen lebt er mit seinem Mann in Barcelona.