Hat Chelsea Manning versucht, sich das Leben zu nehmen?

Anwälte erfuhren aus der Zeitung, dass ihre Mandantin auf der Krankenstation liegt

Chelsea Manning
privat/Archiv

Chelsea Manning, zu 35 Jahren Haft verurteilte Whistleblowerin, soll Medieninformationen zufolge versucht haben, einen Selbstmordversuch zu unternehmen. Das berichten der US-Nachrichtensender CNN und das Klatschportal TMZ unter Berufung auf Mitarbeiter des Militärgefängnisses Fort Leavenworth, in dem Manning einsitzt.

Armeesprecher bleibt in seiner Stellungnahme einsilbrig

Laut Informationen, die TMZ vorliegen, soll Manning versucht haben, sich zu erhängen. Armeesprecher Wayne Hall bestätigte gegenüber NBC News lediglich einen kurzzeitigen Aufenthalt in der Krankenstation am Morgen des 5. Juli. Er gab keine Informationen zu den näheren Umständen. Er sagte weiters, dass Chelsea Manning mittlerweile wieder entlassen worden und seitdem beobachtet werde. Angaben zum Gesundheitszustand machte der Sprecher unter Berufung auf die Schweigepflicht nicht.

Mannings Anwälte und ihre Schwester Casey Major erfuhren von dem Aufenthalt auf der Krankenstation aus den Medien. Auch sie dürften zunächst keine weiteren Informationen erhalten haben. „Wir sind schockiert und außer uns, dass ein Beamter in Leavenworth die Presse mit vertraulichen medizinischen Informationen zu Chelsea Manning kontaktiert hat, während bis jetzt niemand in der Army ihrem Anwaltsteam irgendein Stück Information erhalten hat“, so Nancy Hollander, Leiterin des Anwaltsteams, in einer Presseerklärung.

Anwälte dürfen nicht mir Chelsea Manning sprechen

Ein Gespräch mit Chelsea Manning wurde den Anwälten bis jetzt verwehrt. „Die Armee hat ihren Juristen gesagt, dass der früheste Zeitpunkt, an dem sie ein Gespräch zwischen Chelsea und ihren Anwälten ermöglichen werden, Freitag früh sein wird“, ärgert sich Hollander. Sie verlangt sofortigen Kontakt zu ihrer Mandantin.

Chelsea Manning war als Soldat Bradley Manning im Irak stationiert. Während seiner Stationierung hatte er Armeedokumente, Videos von US-Angriffen sowie Depeschen der US-Diplomatie heruntergeladen und der Enthüllungsplattform WikiLeaks zugespielt. Damit wollte er eigenen Angaben zufolge eine öffentliche Debatte über die Kriege im Irak und in Afghanistan anstoßen.

Whistleblower wurde zu 35 Jahren Haft verurteilt

Im Mai 2010 wurde Manning auf einem US-Stützpunkt in der Nähe von Bagdad festgenommen. Im August 2013 wurde sie in 19 von 21 Anklagepunkten, neben militärischen Regelverstößen auch wegen „Diebstahls“ und fünf Fällen von „Spionage“, zu 35 Jahren Haft im Militärgefängnis Fort Leavenworth verurteilt.

Nach der Verurteilung begann Manning mit der Geschlechtsanpassung. Die US-Armee verweigerte ihm zunächst die Hormonbehandlung. Diese wurde erst letzten Februar erlaubt. Bereits im April 2014 genehmigte ein Gericht die Namensänderung. Fort Leavenworth ist ein reines Männergefängnis und für seine besonders harschen Regeln bekannt.