Mario Lindner: Auf dem ersten Gipfel des Erfolgs

Mit 33 Jahren ist der offen schwule Steirer Bundesratspräsident - und noch sicher nicht am Ende seiner Karriere

Mario Lindner
Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles/ Christian Hofer

Heute war die große Stunde des Mario Lindner: In seiner Aufgabe als Präsident des Bundesrats durfte der erst 33-Jährige Bundespräsident Heinz Fischer verabschieden. Schlagzeilen hat der Steirer, der aus der Gewerkschaftsbewegung kommt, aber schon vor seinem Amtsantritt am 1. Juli gemacht: Als er sich bei der Regenbogenparade öffentlich als schwul geoutet hat.

Die Reaktionen darauf waren „ganz großartig, nur positiv“, erzählt Lindner der Online-Ausgabe des deutschen Schwulenmagazins „Männer“. „Davor habe ich mir schon Gedanken gemacht, ob ich es wagen soll oder nicht. Aber wenn es nur einem jungen Menschen hilft, zu seiner Familie zu gehen und ohne Angst lieben zu dürfen, wen man will, ist das gut!“, erinnert er sich weiter.

Vom Elektrikerlehrling zum Bundesratspräsidenten

Und die Geschichte des neuen Bundesratspräsidenten ist eine, wie sie nicht schöner geschrieben werden könnte. Bei den ÖBB lernt der Obersteirer zunächst Elektroinstallateur. In der Gewerkschaft arbeitet er sich hoch: Von 2001 bis 2003 war er unter anderem Jugendvorsitzender der sozialdemokratischen Gewerkschafter. Seit Jänner 2014 ist Lindner Regionalsekretär des ÖGB in Liezen, seit 1. Oktober 2015 auch Bezirksparteichef. Seit 2015 vertritt er die Steiermark im Bundesrat, turnusmäßig steht er diesem Gremium jetzt vor.

Und auch zu Heinz Fischer hat Mario Lindner eine besondere Verbindung: „Ich habe 2004 – damals war ich 21 Jahre alt – als Bundesjugendsekretär der FSG beim Wahlkampf von Heinz Fischer mitarbeiten dürfen. Heute darf ich ihn als Bundesratspräsident verabschieden. In der Vorwoche hatte ich meinen ersten offiziellen Termin bei Heinz Fischer. Das Treffen war sehr herzlich. Bevor wir hinter der Tapetentür verschwanden, meinte Fischer: ‚Jetzt kenne ich den Mario schon seit 12 Jahren, und nun ist er zum meinem Abschied auch noch Bundesratspräsident‘“, erzählt er in einem Interview mit dem „Kurier“.

Sein Outing verlief ohne Probleme

In seinem Umkreis hat Mario Lindner schon früher gesagt, dass er schwul ist. Seine Eltern erfuhren es mit 19 – und das Coming Out war kein Problem: „Eigentlich haben Sie nur „Ja, passt“ gesagt. Da war ich selbst überrascht. Ich habe zwar mit keinen gröberen Problemen gerechnet, aber dass meine Eltern so selbstverständlich mit meinem Outing umgehen, damit habe ich nicht gerechnet“, erinnert er sich.

Er selbst hat mit 17 bemerkt, dass sein Interesse Männern gilt – mit Vorurteilen war er nie konfrontiert: „Niemand traute sich, mir etwas ins Gesicht zu sagen. Es war wie das unausgesprochene Geheimnis in meinem Heimatort. Keiner meiner Freunde oder Bekannten hat sich von mir abgewandt.“, so Mario Lindner im „Kurier“.

Gleichstellung und „digitale Courage“ sind die Themen von Mario Lindner

Dem entsprechend setzt er sich auch dafür ein, dass Lesben und Schwule in Österreich die gleichen Rechte wie Homosexuelle bekommen:  „Bei jeder Bewerbung muss man seinen Familienstand angeben. Wenn man eingetragene Partnerschaft angibt, weiß jeder, dass man schwul oder lesbisch ist. Deswegen gehört die Ehe auf die gleiche Ebene gestellt“, nennt Mario Lindner ein Beispiel.

Neben der Gleichstellung sexueller Minderheiten ist  Mario Lindner noch das Thema „digitale Courage“ wichtig: Diskriminierenden Äußerungen oder Hasskommentaren in Sozialen Netzwerken müsse widersprochen werden, macht der Präsident des Bundesrates klar. Dabei ist es egal, ob diese homophob, ausländerfeindlich oder Mobbing unter Schülern sei. Um die Zivilcourage im Internet zu stärken, will Lindner einen Ratgeber erstellen, der einfach zusammenfasst, was Internet-User tun können, wenn sie auf Hass-Postings stoßen.

Angelobung des Bundespräsidenten muss warten

Jetzt fehlen im Leben des Mario Lindner noch zwei Meilensteine: Erstens, das Angeloben des Bundespräsidenten – nachdem der Verfassungsgerichtshof den ursprünglichen Termin durch die Aufhebung der Stichwahl gekippt hat. Dafür stehen die Chancen gut: „Geht alles glatt, verschiebt sich die Angelobung um zirka vier Monate, das heißt, ich bekäme noch die Chance, den neuen Bundespräsidenten anzugeloben.“ Denn seine Amtszeit endet am Jahresende.

Mit dem zweiten Meilenstein könnte es etwas schwieriger werden: Denn Lindner ist noch single. Und das würde er gerne ändern – wenn ihm denn die Zeit dafür bleibt, auf dem steilen Weg nach oben.