CSU beim CSD München: Party statt Politik

Wenn Abgeordnete am Wagen feiern statt für gleiche Rechte kämpfen

CSU-Wagen
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Am Samstag feierte München seinen CSD. Besonders viele Blicke bekam dabei der Truck der Lesben und Schwulen in der CSU, der zum ersten Mal dabei war. Und während manche Medien schrieben, dass sich die Position der Christlichsozialen zu sexuellen Minderheiten entspannen könnte, sprach die Teilnehmerliste eine andere Sprache.

Oft war in Medienberichten von einem „Wagen der CSU“ die Rede – doch im Gegensatz zu SPD, Grünen, Rosa Liste oder FDP wurde der Wagen weder von der Landes- oder Stadtpartei noch von der offiziellen LGBT-Organisation der Partei gestellt.

Keine offizielle Gruppe der bayerischen CSU

Nach Informationen der „Bild“-Zeitung wurde der Wagen von der CSU-Jugend Maxvorstadt zum CSD München angemeldet – also der Jugendorganisation eines Stadtbezirks. Die LSU, die LGBT-Organisation der CDU, hat in der bayerischen CSU keine entsprechende Schwesternorganisaton.

Denn das Netzwerk ist in der Partei bisher nicht anerkannt. Doch Initiator Patrick Slapal ist zuversichtlich: „Ministerpräsident Seehofer schrieb uns aber einen Brief mit der offiziellen Partei-Adresse, daher deute ich dies als zustimmende Anerkennung.“ Entsprechende Beschlüsse der CSU gibt es aber noch nicht.

„Partei muss sich bewegen“ – eher zu den Beats als politisch

Mit dem eigenen CSD-Wagen hofft Slapal, seine Parteikollegen zum Umdenken in Sachen Gleichstellung zu bringen: „Die Partei muss sich bewegen, es ist an der Zeit“, erklärte er anlässlich des CSD München. Gerade die Forderung „Ehe für alle“ sei eine zutiefst konservative Haltung, so Slapal.

Und mit dieser Ansicht, die in den parteilichen LGBT-Organisationen heute Standard ist, kann sich Slapal offenbar nicht einmal auf dem eigenen CSD-Wagen durchsetzen. Denn unter den Gästen, die fröhlich mitfeierten, war auch Julia Obermeier. Die 31-Jährige aus dem Westen Münchens sitzt für die CSU im Deutschen Bundestag.

CSU-Abgeordnete am Wagen gegen Ehe-Öffnung und Frauenrechte

Und deren Position zur Ehe-Öffnung ist eindeutig: „Der Begriff der Ehe muss geschützt bleiben, deshalb teile ich nicht alle Forderungen der Schwulen und Lesben“, erklärt sie der „Bild“-Zeitung. Eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare kommt für die CSU-Politikerin nicht in Frage.

Auch mit den Feministinnen, die auf dem CSD München zahlreich vertreten waren, hätte sich Obermeier wahrscheinlich nicht verstanden: Denn die Bundestagsabgeordnete macht derzeit mit christlichen Fundamentalisten gegen eine Frauenklinik mit Schwerpunkt Schwangerschaftsabbruch im Münchner Stadtteil Freiham mobil.

Die CSU-Bundestagsabgeordnete Julia Obermeier torpediert also als Frau die Grundrechte selbstbestimmter Frauen und geht auf eine Veranstaltung, deren zentrale politische Botschaft sie nicht unterstützt. Und damit zeigt ihre Teilnahme am CSD München auf, wie unglaubwürdig die CSU gegenüber sexuellen Minderheiten agiert.