Schwulen Flüchtling attackiert: LaGeSo weist Vorwürfe zurück

Doch nach Informationen des LSVD war der Vorfall kein Einzelfall

Brandenburger Tor
Visit Berlin - CC BY-NC-ND 2.0

In Berlin wehrt sich das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) gegen den Vorwurf, ein schwuler Flüchtling aus Syrien sei von einem Security-Mitarbeiter wegen seiner Homosexualität verprügelt worden.

Wie der Lesben- und Schwulenverband (LSVD), bei dem der Flüchtling in Betreuung ist, berichtete, soll der 32-Jährige am Donnerstag vor dem LaGeSo zunächst wegen seiner Homosexualität verspottet worden sein. Als er dem Sicherheitspersonal antwortete, dass er sie verstehe, hätten sie ihn verprügelt, behauptet der Flüchtling.

Senatssprecherin: „Flüchtling war aggressiv“

Im LaGeSo sieht man die Situation anders: „Nach einer ersten Darstellung von Mitarbeitern des Deutsch-Arabischen-Zentrums (DAZ), die als Sprach- und Kulturmittler auf dem LaGaSo-Campus im Einsatz sind, wollte der Betreffende sich unbedingt Zugang zum Haus A verschaffen. Ein DAZ-Mitarbeiter erklärte ihm, dass er ohne konkreten Termin beim Sachbearbeiter nicht direkt ins Gebäude könne, sondern erst zum ICC müsse“, so Monika Hebbinghaus, Sprecherin der Senats für Gesundheit und Soziales, dem das LaGeSo unterstellt ist, zum „Tagesspiegel“.

Daraufhin sei der Flüchtling „nach unseren Informationen ausfällig und so aggressiv“, so Hebbinghaus weiter. Daraufhin habe der DAZ-Mitarbeiter die Security um Hilfe gerufen, „um den Mann ruhig zu stellen“. Auch die Polizei habe hinzugezogen werden müssen, so die Senatssprecherin weiter. Der 32-Jährige trug bei dem Vorfall ein blaues Auge davon und musste im Krankenhaus behandelt werden. Der Syrer hatte Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen den Sicherheits-Mitarbeiter gestellt. Gleichzeitig wurde aber von einem Security-Mitarbeiter Anzeige gegen den Syrer gestellt – wegen Beleidigung.

LGBT-Flüchtlinge haben immer wieder Probleme im LaGeSo

Eine Diskriminierung von Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung werde ebenso wenig wie aggressives Verhalten gegenüber Flüchtlingen geduldet, so Hebbinghaus weiter. Im LSVD nimmt man zur Erklärung des Senats vorerst keine Stellung. Zuvor hatte Jouanna Hassoun, die mit dem Flüchtling gesprochen hatte, aber erklärt, dass er sehrwohl einen Termin beim LaGeSo gehabt habe.

Doch bei der Gewalttat soll es sich nicht um einen Einzelfall gehandelt haben, erklärt Jörg Steinert, Geschäftsführer des LSVD Berlin-Brandenburg, dem „Tagesspiegel“: „Es gibt zu viele Berichte, die auf ein strukturelles Problem hinweisen. Seit Monaten berichten uns homosexuelle und transgeschlechtliche Geflüchtete sowie Ehrenamtliche von Beleidigungen durch arabischsprachiges Security-Personal und Sprachmittler.“ Der LSVD habe den Senat auch schon mehrfach auf das Problem hingewiesen.