RAI schneidet schwule Sexszene aus „How To Get Away With Murder“

Serien-Schöpferin Shonda Rhimes ist erzürnt, der italienische Sender entschuldigt sich kleinlaut

Connor und Oliver küssen sich
CBS

Gleich in der ersten Folge der US-Serie „How To Get Away With Murder“ geht es heiß her, wenn zwei schwule Serienfiguren miteinander Sex haben. Außer in Italien: Da hat die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt RAI die Szene herausgeschnitten – und sich so den Zorn von Serienschöpferin Shonda Rhimes zugezogen.

15 Sekunden Techtelmechtel zuviel für italienische Verhältnisse?

In der Szene verführt Connor, gespielt von Jack Falahee, den von Conrad Ricamora dargestellten Oliver, um an einige wichtige E-Mails zu kommen. Und nachdem er bekommen hat, was er wollte, landen die beiden jungen Männer, die durch ihr Verhältnis zueinander bei Fans als „Coliver“ bekannt sind, im Bett.

Für italienische Verhältnisse waren die Bilder wohl etwas zu deutlich – und so entfernte die RAI bei der Ausstrahlung von „Le regole del delitto perfetto“, wie die Serie auf Italienisch heißt, diese etwa 15 Sekunden dauernde Szene. Etwas, das die italienische Version des Kabelsenders „Fox“ oder das italienischsprachige Schweizer Fernsehen, die die Serien zuvor zeigten, nicht getan hatten.

Serien-Schöpferin Shonda Rhimes weist RAI zurecht

Und damit fingen für die RAI die Probleme an: Denn Serien-Schöpferin Shonda Rhimes hat von der delikaten Kürzung erfahren. Für Rhimes, die sich schon in der Vergangenheit als Unterstützerin von LGBT-Rechten einen Namen gemacht hat, war der Schnitt ein No-Go. Über Twitter richtete sie der RAI aus: „Die Zensur jeder Liebe ist unentschuldbar.“

Und auch die beiden Darsteller der Szene waren von der Entfernung irritiert: Jack Falahee nannte die Bearbeitung durch die RAI auf Twitter „verrückt“, und Conrad Ricamora schrieb: „Einige Länder zensieren Coliver-Szenen. LGBTQ-Leute in diesen Gebieten: Ihr seid wunderbar. Ich bin bei euch!“

RAI: „Übermaß an Sittsamkeit“ verantwortlich für das Fehlen der Szene

Die RAI zog schließlich den Schwanz ein: Ebenfalls über Twitter richtete der staatliche italienische Sender der Serienschöpferin kleinlaut aus, dass man bei der Wiederholung die Folge inklusive der schwulen Sex-Szene zeigen werde. Programmchefin Ilaria Dallatana erklärte, es habe sich nicht um Zensur gehandelt, sondern um ein „Übermaß an Sittsamkeit“: Sie machte die „individuelle Empfindsamkeit eines Cutters“ dafür verantwortlich, dass die Szene fehlte.

Dallatana ging sogar noch einen Schritt weiter: Sie lobte Serien wie „How to Get Away with Murder“, die ihrer Meinung nach beweisen würden, dass die RAI „zunehmend für die Komplexitäten der heutigen Welt sensibilisiert“ wird.

Es ist nicht das erste Mal, dass die RAI homosexuelle Inhalte in internationalen Fernsehserien bearbeitet: Im Jahr 2011 strich der Sender die Folge „Romeo und Romeo“ der ARD-Nonnenserie „Um Himmels willen“ aus dem Programm, weil es dort um die Segnung eines schwulen Paares ging. Und als im Jahr 2008 zu Mariä Empfängnis in der RAI „Brokeback Mountain“ lief, hatten die Verantwortlichen ebenfalls zwei schwule Liebesszenen herausgeschnitten – im Gegensatz zu deutlicheren heterosexuellen Liebesszenen oder Gewaltszenen.