Berlin: Beatrix von Storch am Straßenfest von Drag-Queen vertrieben

Resolute Travestie-Künstlerin scheucht AfD-Politikerin vom Platz

Beatrix von Storch
Flickr/metropolico.org - CC BY-SA 2.0

Einen gänzlich unerwarteten Gast gab es am Sonntag gegen Mittag beim schwul-lesbischen Straßenfest in Berlin: Beatrix von Storch, Europaabgeordnete und Berliner Landesvorsitzende der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ schaute bei der Veranstaltung vorbei – bis sie von einer Drag Queen vertrieben wurde.

Homophobe Politikerin bei Homo-Straßenfest

Denn Beatrix von Storch gilt als eine der erbittertsten Gegnerinnen einer Gleichstellung von Lesben und Schwulen: In Stuttgart ist sie eine der Mitorganisatorinnen der „Demo für Alle“, die gegen eine Öffnung der Ehe oder des Adoptionsrechts mobil macht.

Auch gegen einen Auftritt von Conchita Wurst im Europaparlament im September 2014 hat sie mobilisiert: „Die Mittel und die Energie des Parlamentes werden mit Auftritten wie denen dieser sich selbst ja so bezeichnenden Wurst verschwendet“, ärgerte sich die Enkelin von Hitlers Finanzminister Graf Schwerin von Krosigk damals.

Resolute Drag Queen spricht Platzverweis aus

Das ist auch den Teilnehmern des Straßenfestes nicht entgangen. Wie das Online-Portal „queer.de“ berichtet, stellte sich in der Nähe der „Lieblingsbar“ an der Ecke Eisenacher Straße/Fuggerstraße die Drag Queen Nelly Morell der Rechtspopulistin und ihrer Entourage in den Weg. „Da kotzen wir doch gleich im Strahl“, schrieb Morell in einem mittlerweile nicht mehr verfügbaren Facebook-Posting.

„Die AfD-Parteispitze trifft sich vor der Lieblingsbar. Da haben wir doch gleich mal Platzverweis ausgesprochen. Jetzt schmollen sie in irgendeiner Wohnung und schauen von oben auf die feiernden Homos“, so die Drag Queen, die auch regelmäßig in der „Lieblingsbar“ auftritt, weiter auf Facebook.

Beatrix von Storch „wollte sich nur umschauen“

Gegenüber dem „Tagesspiegel“ bestätigte Roland Gläser, Parteisprecher der Berliner AfD, den Vorfall. Beatrix von Storch „wollte gar nicht bleiben, sich nur umschauen“, erklärte er. Außerdem sei ein Platzverweis rechtlich der Polizei vorbehalten, so Gläser weiter.

Die AfD ist die einzige Berliner Partei, die nicht auf dem schwul-lesbischen Straßenfest vertreten ist. Nachdem vor zwei Jahren ein Stand der Rechtspopulisten für Aufregung gesorgt hatte, lehnte der Regenbogenfonds der schwulen Wirte als Veranstalter letztes und dieses Jahr eine Teilnahme der AfD ab. Mit 350.000 Besuchern ist das Stadtfest die größte Veranstaltung ihrer Art in Europa.