„Wir werden Aids nicht bis 2030 besiegen“

UNAIDS-Leiter Michel Sidibe ist bei der Welt-Aids-Konferenz in Südafrika sehr skeptisch

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Gestern hat im südafrikanischen Durban die internationale Welt-Aids-Konferenz begonnen. Bis zum Ende der Woche beraten mehr als 18.000 Wissenschafter, Aktivisten, Politiker und Geldgeber darüber, wie die Immunschwächekrankheit effektiv bekämpft werden kann.

Das offizielle Ziel der Vereinten Nationen ist es, Aids bis 2030 zu besiegen. „Als Weltgemeinschaft müssen wir schnell und entschlossen handeln, um unsere Ziele zu erreichen und der Epidemie ein Ende zu setzen“, macht UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon klar. Doch die Zeichen dafür stehen schlecht, weiß man auch bei UNAIDS, der Anti-Aids-Organisation der Vereinten Nationen.

Zahl der Neuinfektionen steigt wieder an

Denn in vielen Regionen der Erde steigt die Zahl der neu entdeckten HIV-Infektionen mittlerweile wieder an. Besonders dramatisch ist der Anstieg in Russland. In Afrika ist Aids noch immer die häufigste Todesursache unter Jugendlichen. Doch durch andere dringende Probleme wie die Bekämpfung des Terrorismus oder Migration sinkt auch die finanzielle Unterstützung im Kampf gegen Aids.

Dadurch fehlen gerade in dieser wichtigen Phase im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit wichtige Mittel. „Ich habe Angst. Wir werden es nicht schaffen, Aids bis 2030 zu besiegen“, sagte Michel Sidibe, der Leiter von UNAIDS, vor Journalisten. Von den 36,7 Millionen Menschen, die derzeit mit HIV oder Aids leben, bekommen nur 17 Millionen Medikamente.

Weniger britische Forschung nach dem Brexit?

Und auch der Brexit ist ein nicht zu unterschätzender Rückschlag im Kampf gegen Aids: Denn Großbritannien ist nicht nur einer der größten Finanziers internationaler Maßnahmen gegen die Ausbreitung des HI-Virus, es gehört auch zu den wichtigsten Forschungsstandorten. „Ein bedeutender Teil dieser Forschung wurde mit EU-Fördermitteln finanziert“, erklärt Chris Beyrer von der internationalen Aids-Gesellschaft (IAS).

An der Konferenz nehmen auch zahlreiche Prominente wie die südafrikanische Schauspielerin Charlize Theron, Sir Elton John oder Prinz Harry teil. Der Fünfte der britischen Thronfolge streamte letzte Woche seinen HIV-Test auf Facebook, um anderen Menschen die Angst davor zu nehmen.

In den letzten 35 Jahren starben mehr als 30 Millionen Menschen an den Folgen von Aids.