Israels Präsident fordert Ende der Hetze gegen Homosexuelle

Zuletzt hatte ein orthodoxer Rabbi LGBT als "Menschen mit Behinderung" bezeichnet

Reuven Rivlin
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Der israelische Präsident Reuven Rivlin hat am Sonntag ein Ende der Hetze gegen Homosexuelle gefordert. Der Politiker hat die Eltern von Shira Banki empfangen, die letzten Juli bei der Jerusalem Pride von einem ultraorthodoxen Juden mit einem Messer ermordet wurde.

„Unterschiede rechtfertigen keine Gewalt und Hetze“

„Auf Politik, Religion oder sexueller Orientierung basierende Unterschiede rechtfertigen nicht Gewalt und Hetze“, erklärte Rivlin nach Angaben der Zeitung „Yediot Aharonot“. Er forderte, ein Ende entsprechender Äußerungen: „Die Aussagen aus den Mündern von Rabbinern, Anführern und geistlichen Leitern haben mich tief verletzt.“

So hatte im Juni der ultrakonservative Rabbiner Jaakov Ariel bei einer Konferenz Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender als „Menschen mit Behinderung“ bezeichnet, „die an einem echten Problem leiden, das mit psychologischer und pharmakologischer Behandlung gelöst werden muss“. Solche Aussagen möchte der israelische Präsident nicht mehr hören.

Klare Aufforderung des Präsidenten an konservative Rabbiner

Rabbiner, die für viele Menschen eine Vorbildfunktion hätten, müssten „auch einen Weg finden, um klarzustellen, dass sie nicht anders denken“, so Rivlin. Er wies auf die entsprechenden Bibelstellen hin, nach denen jeder Mensch zum Ebenbild Gottes geschaffen wurde, „unabhängig von Religion, Rasse und Geschlecht“.

Seit dem Tod von Shira Banki habe es Treffen zwischen Säkularen, Ultra-Orthodoxen, Rechten und Linken, Frauen und Männern gegeben, „die zusammenkamen, um zu lernen, zu beten und in Schiras Gedenken zu handeln“, so der israelische Präsident weiter. Besonders der Terroranschlag von Orlando habe gezeigt, dass noch viel Aufklärungsarbeit nötig sei.

Uri Banki, der Vater der getöteten 16-Jährigen, dankte Rivlin für seine „klare, starke, feste und öffentliche Erklärung zur Mäßigung, Toleranz, Akzeptanz anderer“. Bei dem Treffen waren auch Vertreter des „Jerusalem Open House of Pride and Tolerance“ (JOH) dabei. Die Organisation setzt sich für die Gemeinschaft der Schwulen und Lesben und deren Inklusion in die israelische Gesellschaft ein.