Theresa May: Ein LGBT-freundliches Kabinett mit LGBT-Gegnern

Mehr Lesben, Schwule und Gegner der Ehe-Öffnung in der aktuellen britischen Regierung

Theresa May
Policy Exchange/CC BY 2.0

Zwiegespalten ist das Bild, das das erste Kabinett von Theresa May auf die britische LGBT-Community wirft: Einerseits bekommen Gegner der Ehe-Öffnung hohe Posten – und andererseits gab es nie zuvor so viele offen homosexuelle Minister und Staatssekretäre.

Handelsminister ist ein Gleichstellungs-Gegner

Für besonders viel Kritik in der Community sorgt die Ernennung von Liam Fox als Handelsminister: Der Brexit-Befürworter gilt als Gegner der rechtlichen Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender: So hat er als Abgeordneter nicht nur gegen die Öffnung der Ehe und des Adoptionsrechts gestimmt – bei der Einführung der Eingetragenen Partnerschaften, der Abschaffung der homophoben „Section 28“, oder Angleichung des Schutzalters glänzte er durch Abwesenheit.

Die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule nannte Fox  im Jahr 2010 „absurd“: Sie würde „eine Art Social Engeneering hinklatschen, vor der Konservative extrem vorsichtig sein sollten“. Einem Leser des britischen Newsportals PinkNews erklärte der neu ernannte Minister damals, die Öffnung der Ehe habe nichts mit gleichen Rechten  zu tun: „Es ändert die Definition der Ehe für alle, für einen gespürten Vorteil einer viel kleineren Zahl.“

Viele Gegner der Ehe-Öffnung in Schlüsselpositionen

Und Fox ist nicht der einzige Minister im Kabinett der streng gläubigen Theresa May, der gegen die Öffnung der Ehe in England und Wales gestimmt hat: Auch der neue Verteidigungsminister Michael Fallon und Gavin Williamson als „Chief Whip“ – das entspricht dem geschäftsführenden Klubobmann – waren gegen eine Gleichstellung homosexueller Paare, genauso wie „Brexit-Minister“ David Davis, Entwicklungshilfe-Minister Priti Patel oder Wales-Minister Alum Cairns.

Bei der Abstimmung über die Ehe-Öffnung haben sich zwei Minister der neuen Regierung enthalten: Schatzkanzler Philip Hammond und die beim Kampf um den Parteivorsitz unterlegene Andrea Leadsom, die Umweltministerin wird. Leadsom hatte die Ehe-Öffnung unter Berufung auf ihren christlichen Glauben als „inakzeptabel“ bezeichnet.

Verdiente Lesben und Schwule in wichtigen Positionen

Doch auf der anderen Seite gab es selten in einem britischen Kabinett so viele offen schwule und lesbische Minister und Staatssekretäre wie nun in der Regierung May. So wurde David Mundell als Schottland-Minister bestätigt. Beide hatten sich vor wenigen Monaten als homosexuell geoutet. Justine Greening wurde Ministerin für Bildung und Gleichbehandlung.

Auch in der zweiten Reihe gibt es einige Lesben und Schwule: Sir Alan Duncan, der erste offen schwule Abgeordnete der Konservativen, wurde von Theresa May zum Staatssekretär im Außenministerium ernannt. Margot James, die sich 2010 geoutet hatte und damit die erste offen lesbische Parlamentsabgeordnete Großbritanniens war, wurde von May zur Staatssekretärin im Industrieministerium ernannt. Nick Gibb, der letztes Jahr ankündigte, seinen Partner heiraten zu wollen, wurde als Staatssekretär im Bildungsministerium bestätigt.

Theresa May hat zuletzt betont, die rechtliche Gleichstellung sexueller Minderheiten zu unterstützen: „Ich habe Eingetragene Partnerschaften im Jahr 2004 unterstützt und war stolz, die Gesetze einbringen zu dürfen, die 2013 die volle Ehe-Öffnung gebracht haben, weil ich glaube, dass die Ehe für jeden sein sollte, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung.“