EU-Behörde gibt grünes Licht für Pille gegen HIV-Infektion

Truvada könnte schon bald in der gesamten EU zur PrEP zugelassen sein

Truvada
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Die europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt, das HIV-Medikament Truvada auch zur Vorbeugung einer Infektion mit dem Virus einzusetzen. In den USA ist es für diesen Zweck, der Präexpositionsprophylaxe (PrEP), bereits seit 2012 zugelassen.

In einem nächsten Schritt muss die EU-Kommission Truvada zur HIV-Prophylaxe freigeben. Dieser Schritt gilt als Formsache und wird vermutlich in den nächsten Wochen erfolgen. Dann entscheidet jeder Mitgliedsstaat selbst, zu welchen Bedingungen er die PrEP bei sich einführt.

Kritik: Ein Medikament für gesunde Menschen?

Die Entscheidung der EMA ist auch in Europa nicht unumstritten. So wird kritisiert, dass gesunde Menschen ein Medikament mit teils deutlichen Nebenwirkungen wie Durchfall, Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen einnehmen. Doch Berechnungen zufolge könnte so zusammen mit der Verwendung von Kondomen bis zu ein Drittel der HIV-Neuinfektionen verhindert werden.

Für die PrEP wird Truvada, das die Wirkstoffe Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil enthält, derzeit einmal täglich eingenommen – in der gleichen Dosierung, in der das Medikament auch zur HIV-Behandlung eingenommen wird.

In Studien gab es bis zu 75 Prozent weniger HIV-Infektionen

Grundlage für die Entscheidung der EMA sind zwei Studie: An einer von ihnen, die drei Jahre lang dauerte, nahmen 2500 HIV-negative Männer teil, die Sex mit Männern haben. Unter jeden, die täglich Truvada nahmen, steckten sich 48 Männer mit HIV an, in der gleich großen Kontrollgruppe waren es 83.

In einer zweiten Studie wurden 4700 heterosexuelle Paare mit einem HIV-positiven Partner beobachtet. Hier konnte das Medikament das Infektionsrisiko im Vergleich zu einem Placebo um 75 Prozent reduzieren.

Deutsche Aids-Hilfe begrüßt Entscheidung der Arzneimittelbehörde

In Deutschland begrüßt die Aids-Hilfe bereits die Entscheidung der EMA: „Wir brauchen diese zusätzliche Möglichkeit so bald wie möglich auch in Deutschland, denn sie verhindert HIV-Infektionen“, so die Geschäftsführerin der Aids-Hilfe (DAH), Silke Klumb. Allerdings könne sie kein Ersatz für Kondome sein, betonte sie. Denn Truvada schütze nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten.

In US-Städten wie San Francisco hat die PrEP bereits zu sinkenden Infektionszahlen geführt. Derzeit ist die PrEP in den USA, Frankreich, Südafrika, Israel, Australien, Kanada und Kenia zugelassen. Die Kosten dafür betragen etwa 800 Euro pro Monat. Die DAH hat den Hersteller Gilead bereits aufgefordert, über Preissenkungen zu verhandeln.