Ermittlungen wegen Kindesmissbrauch gegen hochrangigen Vatikan-Kardinal

Australische Polizei ermittelt gegen George Pell, die Nummer drei in der Hierarchie des Vatikans

George Pell
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Schwere Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs gibt es gegen Kardinal George Pell, den Finanzchefs des Vatikans. Der gebürtige Australier soll in seiner Heimat unter anderem zwei Buben missbraucht haben. Er selbst weist die Vorwürfe zurück, es gilt die Unschuldsvermutung.

George Pell ist mittlerweile eine der wichtigsten Figuren im Vatikan: Er wurde im Februar 2014 von Papst Franziskus zum Finanzchef des Kirchenstaats ernannt. Er leitet  dort die zentrale Finanz- und Wirtschaftsbehörde. Als Budgetverantwortlicher ist er die Nummer drei in der Hierarchie der römisch-katholischen Kirche.

Hat die Nummer drei der römisch-katholischen Kirche kleine Buben sexuell missbraucht?

Derzeit ermittelt die Polizei im australischen Bundesstaat Victoria gegen den Kurienkardinal, der zwischen 1996 und 2001 Erzbischof von Melbourne und danach bis 2014 Erzbischof von Sydney war. Ob gegen den australischen Kardinal Anklage erhoben wird, stehe noch nicht fest, so die Behörde.

Es handle sich um eine laufende Ermittlung, erklärte ein Sprecher von Polizeichef Graham Ashton. Dieser betonte, „wenn nötig“ werde die Polizei von Victoria auch Beamte nach Rom schicken, um den Kardinal zu verhören. Derzeit sei dies jedoch nicht erforderlich.

Jungen Buben an die Genitalien gegriffen und sich ihnen nackt gezeigt

Wie der Australische Rundfunk (ABC) berichtet, beschuldigen zwei Männer den heute 75-Jährigen, sie Ende der 1970er Jahre missbraucht zu haben: Er soll ihnen während dem Schwimmen in einem Bad in Ballarat immer wieder an die Genitalien gegriffen haben. Zu dieser Zeit war George Pell der für die Erziehung zuständige Vikar der Diözese von Ballarat.

Und das ist nicht der einzige Vorwurf: „Ich habe Pell in einer Situation gesehen, in der er sich im Sommer 1986 oder 87 sehr deutlich drei jungen Burschen beim Torquay Life Saving Club nackt gezeigt hat“, erinnert sich ein Zeuge in der australischen Ausgabe des „Guardian“. Die Burschen waren zwischen acht und zehn Jahre alt und standen zwei bis drei Meter von dem Geistlichen entfernt, so der Zeuge weiter.

Hat sich George Pell bereits in den 1960er Jahren an einem Ministranten vergriffen?

„Ich habe ihm gesagt: ‚Ich weiß, worauf du hinauswillst. Zieh dich an und verschwinde, und komme nie wieder in den Surfclub. Wenn ich dich noch einmal sehe, rufe ich die Polizei“, so der Zeuge im „Guardian“ weiter. Er kann sich nicht erinnern, Pell noch einmal gesehen zu haben. Zu dieser Zeit war er bereits Weihbischof der Diözese Melbourne.

Einer internen Untersuchung der australischen Kirche, dem „Southwell Report“, zufolge soll Pell auch in den frühen 1960er Jahren einen Zwölfjährigen auf einem Ferienlager für Ministranten sexuell missbraucht haben. Einen endgültigen Beweis für diese Tat konnten die Ermittler aber nicht finden.

Für den Kardinal sind alle Vorwürfe eine „Schmutzkübelkampagne“

Der Kardinal weist alle Vorwürfe zurück. Es handle sich um „nichts mehr als eine skandalöse Schmutzkampagne“, so das Büro des Kardinals. Alle Vorwürfe, er habe „irgendjemandem an irgendeinem Ort, zu irgendeiner Zeit in seinem Leben jemanden missbraucht“ seien „vollkommen unwahr und komplett falsch“.

Erfahrungen mit der Arbeit der australischen Missbrauchskommission hat Pell bereits: Anfang 2016 wurde er vier Tage lang zu Vorwürfen gegen dortige Geistliche befragt. Opfer warfen ihm vor, die Vorwürfe vertuscht zu haben. Vor der Kommission räumte der Kardinal persönliche Fehler im Umgang mit den Anschuldigungen ein:

So erfuhr er etwa eigenen Angaben zufolge 1974 von sexuellen Übergriffen eines mittlerweile verurteilten Priesters, mit dem er befreundet war. Er handelte aber nicht. Heute meint der Kardinal, er hätte damals „mehr tun müssen“.

Schützte Pell einen Kinderschänder?

Auch gab es Anschuldigungen, George Pell hätte dem Neffen und Opfer des verurteilten pädophilen Priesters Gerald Ridsdale ein Schweigegeld angeboten, damit dieser seine Vorwürfe zurücknimmt. Pell war ein Freund der Familie, das Opfer hat sich nach dem Missbrauch dem späteren Kardinal offenbart – der bestreitet die Vorwürfe bis heute.

Trotzdem nannte im Jahr 2015 Peter Saunders, ein Mitglied der 2014 gegründeten päpstlichen Kinderschutzkommission, Pell als „unhaltbar für den Vatikan“. Er bezeichnete den Kardinal ferner als „kalt, hartherzig und fast soziopathisch“ Dass es auch Vorwürfe gegen ihn gibt, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.