Georg Uecker: „Ich bin HIV-positiv“

Trotzdem möchte der beliebte "Lindenstraßen"-Schauspieler ein "schriller Alter" werden - und ist auf dem besten Weg dazu

Georg Uecker
WDR

Der offen schwule Schauspieler Georg Uecker ist HIV-positiv. In der aktuellen Ausgabe des Magazins „Schwulissimo“ spricht der Deutsche, der vor allem durch seine Rolle als Carsten Flöter in der TV-Serie „Lindenstraße“ bekannt wurde, erstmals offen über seine Infektion.

„Ich bin über 30 Jahre positiv und weiß es seit 25 Jahren“

„Ich bin vermutlich weit über 30 Jahre HIV-positiv und weiß es definitiv seit 25 Jahren“, so der 53-Jährige gegenüber dem Magazin. Seine Virenlast liegt heute unter der Nachweisgrenze. Zunächst sei die Diagnose ein Schock gewesen, erinnert sich Uecker: „Vor den ersten Kombitherapien habe ich schon geglaubt, ich hätte jetzt nicht mehr viel Zeit.“ Nun sieht der Schauspieler offen in die Zukunft: Er sei „“völlig fit und fest entschlossen, ein schriller Alter zu werden“, verrät er.

Mit den Mitte der 1990er Jahren eingeführten Kombinationstherapien gelang es erstmals, eine HIV-Infektion wirksam in den Griff zu bekommen. Damit kann die Krankheit zwar nicht geheilt, aber kontrolliert werden. Dank ihnen gilt eine HIV-Infektion nicht mehr als tödlich. Das schätzt auch Georg Uecker: „Mir geht es dank der Pharmaindustrie und einer in jeglicher Hinsicht positiven Lebenseinstellung gut“, erklärt er.

Klartext gegen Gerüchte über seinen Gesundheitszustand

Entsprechende Gerüchte gab es schon länger. Der Gesundheitszustand von Georg Uecker sorgte in den letzten Jahren immer wieder für Spekulationen: So wirkte er vor einigen Jahren ausgezehrt und verlor stark an Gewicht. Immer wieder musste der 53-Jährige auch Termine absagen.

Trauriger Höhepunkt war ein Zusammenbruch bei der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin im Jahr 2008. „Lindenstraßen“-Produzent Hans W. Geißendörfer erklärt damals: „Georg Uecker ist krank. Es ist ja nicht zu übersehen… Er hat ein Problem mit den Lymphen“. Solche Erkrankungen sind bei einer HIV-Infektion keine Seltenheit.

„Ich war komplett überarbeitet“

Wenig später verließ seine Figur Carsten Flöter, die seit der sechsten Folge im Jahr 1985 bei der „Lindenstraße“ dabei war, vorübergehend die Serie. Uecker machte sich im Rampenlicht rar. „Der Grund für meine Unsichtbarkeit: Ich war komplett überarbeitet.“, erinnert er sich heute. Daher habe er zwischenzeitlich einen Gang runterschalten müssen.

„Heute ist alles wieder im grünen Bereich und ich bin topfit. Wahrscheinlich bin ich spätestens jetzt nach diesem Interview der prominente ‚Longtime Surviver‘, der den Schritt nach vorne macht“, erklärt Uecker im Gespräch mit „Schwulissimo“. Nun ist er wieder bei der „Lindenstraße“ im fixen Ensemble dabei.

Mit seiner schwulen Figur schrieb Georg Uecker Fernsehgeschichte

Mit der ersten offen schwule Figur in einer deutschen Vorabendserie schrieb Georg Uecker ein Stück Fernsehgeschichte: Im Jahr 1990 sorgte eine vergleichsweise harmlose gleichgeschlechtliche Liebesszene für massive Proteste beim Westdeutschen Rundfunk (WDR), der die „Lindenstraße“ produziert.

„Während der Ausstrahlung gab es so viele Anrufer beim WDR, noch Stunden danach noch, dass alles zusammenbrach – man konnte es nicht mal mehr protokollieren”, erinnert er sich im Gespräch mit der Zeitschrift „Männer“: „Die Folge wurde entschärft, umgeschnitten, kleinere Korrekturen vorgenommen“ Gegen Georg Uecker gab es sogar Morddrohungen.

Experte für ABBA und den Song Contest

Er gilt auch – gemeinsam mit dem Comedian Thomas Herrmanns – als ausgewiesener ABBA- und Song-Contest-Experte. „Ich besitze einen Stiefel von Frida von ABBA. Ich reiste vor Jahren mit Thomas Hermanns zu einer Auktion in die Schweiz, bei der Frida privaten Plunder und Bühnen-Outfits zugunsten eines Pflegeheimes versteigern ließ“, erinnert er sich.

Neben der „Lindenstraße“ war Georg Uecker unter anderem auch in den Sat.1-Sendungen „Schillerstraße“, „Genial daneben“ und „Pastewka“ zu sehen. Weiters engagiert er sich für LGBT-Themen und gegen Rassismus.