Almodóvars starker Film über eine schwache Frau

Wie der spanische Altmeister mit "Julieta" das macht, was er am besten kann

Wenn es etwas gibt, was der spanische Meisterregisseur Pedro Almodóvar wirklich gut kann, dann sind es Filme über Frauen. Mit „Julieta“, seinem 20. Spielfilm, knüpft er dort an, wo er bei „Volver“ aufgehört hat: Großem Drama mit großen Frauen in großen Bildern.

Die Geschichte von „Julieta“ basiert auf drei Geschichten der kanadischen Literatur-Nobelpreisträgerin Alice Munro. Durch die Entscheidung Almodóvars, die Handlung nach Spanien zu verlegen, sind die Geschichten aber mehr Basis als Handlung des Films. „Als für mich feststand, dass ich in Spanien drehen, und somit die Geschichte an die spanische Geografie anpassen würde, versuchte ich Alice Munro zu vergessen. Natürlich ist sich nach wie vor im Film, aber von da an dachte ich weniger an ihre narrativen Wegweiser, als daran, wo mich diese Figuren hinführen könnten“, erinnert sich der Regisseur.

Die Geschichte einer gebrochenen Frau auf der Suche nach ihrer Tochter

Es geht um Julieta, dargestellt von Emma Suarez: Sie hat vor, gemeinsam mit ihrem Freund Lorenzo (Darío Grandinetti) ihre Zelte in Madrid abzubrechen und in Portugal neu anzufangen. Doch im letzten Moment entscheidet sie sich anders. Denn wenn sie die spanische Hauptstadt verlässt, bricht sie auch den letzten Kontakt zu ihrer Tochter Antía (Blanca Parés) ab – den es eigentlich seit zwölf Jahren nicht mehr gibt.

In langen Rückblenden erzählt Almodóvar, warum: Mit 18 Jahren packte Antía ihre Habseligkeiten und verließ ihre Mutter ohne große Erklärung. Denn diese war bereits seit Jahren eine gebrochene Frau. Denn als Antía neun Jahre alt war, starb ihr Vater, der galizische Fischer Xoan (Daniel Grao) – die große Liebe von Julieta, die in den Rückblenden meisterhaft von der jungen spanischen Schauspielerin Adriana Ugarte verkörpert wird.

Wenn Almodóvar in seinen Filmen Schicksal spielt

Die Beziehung dieses Paares begann Mitte der 1980er Jahre mit einem tragischen Zugunfall, durch den sich Julieta und Xoan nicht nur kennenlernten, sondern der sie auch auf eine ganz eigene Weise miteinander verband. Für Julieta war der Tod ihres Liebsten ein Schicksalsschlag, von dem sie sich nie ganz erholte.

Julieta beschließt schließlich, wieder den Kontakt zu ihrer verlorenen Tochter zu suchen, ihrer entfremdeten Tochter näher zu kommen und ihr die ganze Geschichte zu erzählen. Doch schafft sie das auch? Diese Geschichte, diese Reise in die Vergangenheit und die eigenen Wunden, erzählt Almodóvar mit der ihm eigenen gefühlvollen Erzählweise und Bildsprache.

Großes Gefühlskino, großartige Bilder

Er bleibt damit in der Tradition von Filmen wie „Volver“ oder „Alles über meine Mutter“, inszeniert großes Gefühlskino. Die Farbe Rot scheint allgegenwärtig, nichts ist so, wie es anfangs scheint. Und: Im Gegensatz zu anderen Frauenfiguren  Almodóvars ist Julia verletzlich: „Julieta ist, verglichen mit anderen Frauenfiguren meiner Filme, am wenigsten bereit zu kämpfen. Sie wirkt kraftlos und ist als Person von den Verlusten gezeichnet, die sie erleben musste“, meint der Altmeister. Wird der Film dadurch zu einer Selbstreflexion seines eigenen Lebens?

Und natürlich gibt es auch in „Julieta“ immer wieder Momente, die den Seher durch ihre Surrealität zum Schmunzeln bringen. Eine der Figuren, die diese Situationen buchstäblich heraufbeschwören, ist Rossy de Palma, die schon in „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ mitwirkte und diesmal eine fast schon hitchcockesk anmutende Haushälterin spielt.