Uganda: Polizei stürmt LGBT-Veranstaltung, ein Schwerverletzter

Aus Angst vor der Polizei springt ein junger Mann aus dem Fenster

Flagge von Uganda
Archiv

In Uganda wurde gestern, Donnerstag, gegen 22.00 Uhr Ortszeit eine LGBT-Veranstaltung von der Polizei gestürmt. Wie das Newsportal queer.de berichtet, wurden dabei etwa 20 bis 25 Personen festgenommen, darunter auch der bekannte LGBT-Aktivist Frank Mugisha.

In der Hauptstadt Kampala sollten Mister und Miss Pride Uganda gewählt werden – eine Veranstaltung, wie es sie dutzendfach gibt. Doch die Polizei glaubte offenbar, es solle eine homosexuelle Ehe geschlossen werden und stürmte die Veranstaltung. Diese Vermutung legen zumindest Tweets lokaler Institutionen wie der „Kuchu Times“, einer afrikanischen LGBT-Newsplattform, nahe.

Schönheitskonkurrenz gestürmt, weil die Polizei eine Homo-Eheschließung vermutete

„Wir wurden von der Polizei gestürmt. Und sie sagen, unsere Versammlung ist gesetzeswidrig“, twitterte der offizielle Account von Pride Uganda. In einem älteren Tweet heißt es, die Polizei hindere die Besucher, den Ort zu verlassen, an dem die Wahl zu Mister und Miss Pride Uganda stattgefunden hat, wie auch die auf Twitter veröffentlichten Fotos zur Veranstaltung zeigen.

Besonders gegenüber Transgendern war die Polizei Zeugenberichten zufolge wenig zimperlich: Die Beamten belästigten Transfrauen sexuell, in dem sie ihnen an die Brüste fassten.

Nach Informationen von Patrick Corrigan, Head of Nations & Regions in der britischen Abteilung von Amnesty International, wurden nach der Razzia zwei bekannte LGBT-Aktivisten aus Uganda verhaftet. Einer der beiden Verhafteten ist der bekannte Aktivist Frank Mugisha. Beide Männer wurden mittlerweile wieder freigelassen, wie Mugisha twitterte.

Mugisha twittert auch, dass während der Razzia ein junger Mann aus Angst vor der Polizei aus einem Fenster gesprungen ist. Ähnliche Nachrichten wurden auch von anderen Twitter-Accounts verbreitet. Je nach Bericht soll das Fenster im vierten oder sechsten Stock gewesen sein. Der Mann soll sich dabei lebensgefährlich verletzt haben.

Für den Samstag soll in Uganda eine Lesben- und Schwulenparade abgehalten werden. Den genauen Ort will man vorab geheim halten. Damit soll verhindert werden, dass ein wütender Mob die Veranstaltung stürmt.

Uganda: Eines der homophobsten Länder Afrikas

Homosexuelle Handlungen zwischen Männern sind in Uganda seit 1894 illegal, zwischen Frauen seit 2000. Gleichgeschlechtliche Handlungen können mit bis zu sieben Jahren Haft bestraft werden. Ein Gesetz aus dem Februar 2014, nach dem „Wiederholungstäter“ mit zu bis zu 14 Jahren Haft bestraft werden können und das Nicht-Melden von Homosexuellen unter Strafe stellt, wurde aus Formalgründen vom Verfassungsgericht aufgehoben.

Später wurde ein weiteres Gesetz verabschiedet, das sie Situation sexueller Minderheiten in Uganda erheblich verschlechtert: Es sieht vor, dass Organisationen, die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen oder Transgendern einsetzen, verboten werden können.