Lesbenfeindliche Sprüche bei Olympia-Fußballturnier

Megan Rapinoe
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Bitterer Beigeschmack beim olympischen Damen-Fußballturnier: Wie die „Los Angeles Times“ berichtet, werden offen lesbische Spielerinnen zum Ziel homophober Schmährufe des Publikums. So gab es sowohl beim Spiel USA gegen Neuseeland als auch bei Kanada gegen Australien entsprechende lesbenfeindliche Rufe.

Lesbische Spielerinnen als „Bicha“ beschimpft

Die offen lesbische kanadische Torhüterin Stephanie Labbé wurde beispielsweise als „Bicha“ beschimpft. Dieses Wort ist normalerweise ein abwertender Begriff für schwule Männer. Solche Chöre ärgern auch ihren Trainer: „Ich bin in England aufgewachsen und so etwas gewohnt. Das ist die ekelhafte Seite des Spiels“, so John Herdman gegenüber der „National Post“.

Auch in der US-Mannschaft gibt es offen lesbische Spielerinnen wie Megan Rapinoe, die sich über die homophoben Sprechchöre ärgern. Die Mittelfeldspielerin bezeichnet sie als „persönlich verletzend“. Sie meinte außerdem, eine „Mob-Mentalität übernimmt ein wenig die Kontrolle“. Sie fordert deshalb eine offene Diskussion über Rassismus, Homophobie und Sexismus im Fußball.

„Solange die Fans mitmachen, sind sie mitschuldig“

Allerdings gestand sie den Fans zu, nicht prinzipiell homophob zu sein – sondern einfach nur nicht nachdenken, was sie tun. „Ich glaube nicht, dass alle brasilianischen Fans, die anwesend waren, homophob sind. Aber ich glaube, dass sie mitschuldig sind, solange sie mitmachen“, erklärte die 31-Jährige. Sie forderte die Fans auf, sich in die Lage von schwulen oder lesbischen Spielern zu versetzen.

Rapinoe meinte auch, dass solche Sprechchöre besonders für junge und ungeoutete Spieler ein Problem werden könnten: „Was bedeuten solche Rufe für Spieler, die sich überlegen, ob sie sich outen sollen?“, fragt sie – auch mit einem Blick auf den Männerfußball.

Normalerweise werden nur männliche Fußballer beschimpft

Und wie der Sydney Morning Herald berichtet, wurden auch die australischen Fußball-Frauen in ihrem Spiel gegen Kanada von den Zuschauern in der Arena Corinthians von São Paulo mit lesbenfeindlichen Spruchchören bedacht. Sie trafen vor allem Torhüterin Lydia Willams, die nicht einmal lesbisch ist.

Brasilianischen Journalisten zufolge ist es das erste Mal, dass die Zuschauer solche Beschimpfungen im Frauenfußball verwenden. Bis jetzt hatten nur männliche (heterosexuelle) Spieler die zweifelhafte Ehre, mit solchen Begriffen bedacht zu werden.

FIFA sieht kein Problem

Kein Problem mit den homophoben Fangesängen hat übrigens der Weltfußballverband FIFA: Gegenüber der „Los Angeles Times“ erklärte Sprecherin Carolina Almiron, sie persönlich habe die Sprechchöre nicht wahrgenommen. „Ich denke nicht, dass das ein Problem ist“, spielt sie die Causa herunter. Sollte es keinen formellen Protest geben, werde man keine Schritte einleiten, so Almiron weiter.